„Die Energiewende hat auch eine soziale Dimension“

Die Kosten der Energiewende müssen sozialverträglich verteilt werden. Das unterstrich der ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Professor Dr. Klaus Töpfer, beim „Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen“ in Essen. Er warnte davor, wirtschaftliche Erwägungen gegen das Wohl zukünftiger Generationen auszuspielen.



Professor Dr. Klaus Töpfer sprach im Essener Dom

Dass die Energiewende nicht nur eine Frage neuer Technologien sei, sondern auch eine soziale Dimension habe, das unterstrich der ehemalige Bundesumweltminister und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Professor Dr. Klaus Töpfer, beim „Sozialpolitischen Aschermittwoch der Kirchen“ in Essen. Die Kosten der Energiewende müssten sozialverträglich verteilt werden. „Wenn energieintensiven Unternehmen niedrige Strompreise gewährt werden, darf das nicht zu Lasten der allgemeinen Verbraucher geschehen“, warnte Töpfer. Vor allem Sozialschwache müssten von diesen Kosten ausgenommen werden. „Die Ärmeren dürfen nicht die Kosten der Industriepolitik tragen“, so der Professor, der davor warnte, die soziale Schieflage noch weiter zu verschärfen. Er sprach sich dafür aus, Entlastungen dort vorzunehmen, wo man die Energieeffizienz steigern wolle.

Auch die Energieversorgung einer rasant wachsenden Weltbevölkerung war ein Punkt, auf den Töpfer in seinem Vortrag zum Thema „Chancen und Probleme der Energiewende – auf der Suche nach sozial gerechten Lösungen“ hinwies. 2050 werden rund neun Milliarden Menschen auf der Welt leben, davon in Europa gerade einmal fünf Prozent. „Wie schaffen wir es, für alle auf der Welt ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen?“, das ist für ihn die zentrale Frage. Eine wesentliche Rolle spiele hier die Energie. „Deshalb haben Nachhaltigkeit und Globalisierungsfähigkeit der Energie eine große Bedeutung“, so der Professor. Er warnte davor, wirtschaftliche Erwägungen gegen das Wohl zukünftiger Generationen auszuspielen. Es sei eine ethische Frage, „ob wir  die Kosten für unseren heutigen Wohlstand kommenden Generationen aufbürden wollen“. Auch dürfe die Energiewende nicht auf Kosten der Umwelt stattfinden. Die neuen Technologien müssten globalisierungsfähig sein, ohne die Stabilität der Natur zu beeinträchtigen.

Energie sei eine tragende Größe dieser Welt. Armut sei in erster Linie „Energiearmut“. In Afrika hätten beispielsweise nur zehn  Prozent der Bevölkerung Zugang zu moderner Energie, die vor allem aus fossilen Energieträgern gewonnen werde. Das führe zu untragbaren Kosten und Abhängigkeiten. „Für diese Länder wird die Frage nach dezentraler Energieversorgung über heimische, erneuerbare Energien zur entscheidenden Entwicklungsfrage“, betonte Töpfer. Es sei eine Frage der „intergenerellen Gerechtigkeit“, diesen Ländern den Zugang zu den neuen Technologien zu ermöglichen. Hier stünde Deutschland als Vorreiter bei erneuerbaren Energien in der Pflicht, Technologien und Lösungen zu liefern.

Was die Energiewende hierzulande betrifft, ist nach Ansicht von Töpfer noch viel zu tun. „Wir müssen hinsichtlich der Kosten bessere Ausgleichsmöglichkeiten finden, um zu vermeiden, dass Menschen zunehmend in eine Armutssituation geraten.“


Gerechter Interessenausgleich

Sein Vortrag war eingebettet in einen ökumenischen Gottesdienst im Essener Dom, den Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der rheinische Präses Nikolaus Schneider, leiteten. In seiner Einführung machte Overbeck deutlich, dass gerade die Fastenzeit dazu aufrufe, „den Blick auf die Tatsachen der Welt und auf unsere eigene Lebenswirklichkeit zu schärfen“. Bei der Energiewende gehe es um deren gerechte Ausgestaltung. „Die berechtigten Interessen der Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen, der Konsumenten, die nicht überfordert werden dürfen, sowie der zukünftigen Generationen, die das gleiche Recht auf einen intakten Lebensraum haben wie wir selbst, müssen einen gerechten Ausgleich finden“, betonte der Bischof.

Dass die Kirchen auch weiterhin darauf achten werden, dass Menschen Zugang zu den Energien haben, dass diese bezahlbar sind und die Natur nicht zerstört wird, das unterstrich Präses Schneider. Es sei schmerzlich, dass Tonnen von Lebensmittel, die mit einem hohen Energieaufwand erzeugt würden, auf dem Müll landeten, dass Wasser vergeudet und Treibstoff verschwendet werde. „In unserem Lebensstandard und bei unseren Gewinnerwartungen sind wir maßlos geworden“, so Schneider, der eine „Spiritualität des Genug“ anmahnte. Was die Energiewende betreffe, seien Wirtschaftlichkeit, Sozialverträglichkeit und Nachhaltigkeit die entscheidenden Schlüssel. (do)


Einführung von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Schlusswort von Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider

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