Deutsch-Italienerin macht Praktikum am Essener Dom

Das Erdbeben im April dieses Jahres zerstörte auch das Konservatorium im italienischen Ort L'Aquila. Seitdem ist für Sarah D'Ascenzo das Musikkstudium erschwert. Das Praktikum am Dom in ihrer Geburtstadt Essen kommt da wie gerufen.

Aus dem Erdbebengebiet zurück in die Geburtststadt Essen

Seit Anfang Juni ist die junge Deutsch-Italienerin Sarah D’Ascenzo aus L’Aquila in den Abruzzen als Praktikantin bei der Dommusik in Essen beschäftigt und lernt die Kirchenmusik deutscher Art kennen. Sie kehrt damit zu ihren Wurzeln zurück, denn Sarah ist in Essen-Steele aufgewachsen. Im Alter von zwölf Jahren war sie mit ihrer Familie nach Italien gezogen.

Als am 6. April in L’Aquila die Erde bebte, da wurden große Teile der alten Stadt in den Abruzzen zerstört, darunter auch das Konservatorium, an dem Sarah Orgel und Cembalo studierte. Auch heute hat die Normalität für die Bevölkerung von L’Aquila noch lange nicht wieder begonnen. Immer noch wird die Erde durch Nachbeben erschüttert, die weitere Gebäude zerstören. Die meisten der Einwohner leben immer noch in Zelten. Dass unter diesen Umständen an ein geregeltes Musikstudium nicht zu denken ist, versteht sich. Nur am Wochenende konnten Sarah und ihre Kommilitonen am 100 Kilometer entfernten römischen Konservatorium ihr Studium fortsetzen.

Sarah kam in dieser schwierigen Situation ein Erasmus-Projekt zugute, das der Staat mit einem Stipendium unbürokratisch förderte und das Studenten ermöglicht, eine Zeitlang im Ausland ihre Studien fortzusetzen. So kam sie nach Deutschland und in ihre Geburtsstadt Essen zurück. Hier lebt die junge Frau nun seit drei Wochen in Essen-Borbeck. Um ihre Ausbildung abzurunden, besucht sie die Proben der verschiedenen Chorgruppen am Dom und singt im Domchor bei den Kapitelsämtern mit. Vor allem die differenzierte Probenarbeit des Mädchenchores am Essener Dom mit Einzel-Stimmbildung und Gehörschulung der jungen Sängerinnen ist für sie von Interesse.

Denn die musikalische Ausbildung am Konservatorium in L’Aquila unterscheidet sich sehr vom deutschen Kirchenmusikstudium. In Italien gibt es das Fach „Kirchenmusik“ nicht. Es gibt auch keine festangestellten Kirchenmusiker. Auch wenn man das Hauptfach „Orgel“ studiert, wird man in Italien nicht zusätzlich in der Chorleitung geschult. Das ist in Deutschland für Sarah ein Novum, über das sie begeistert ist. Nebenbei erhält sie bei der Kirchenmusikschule des Bistums Essen einen Einblick in das Ausbildungssystem für nebenamtliche Kirchenmusiker. Natürlich stehen ihr dort die Orgeln zum Üben zur Verfügung. Bald wird sie auch einmal die große Domorgel spielen. Momentan fühlt sich Sarah noch etwas aus der Übung, denn zum einen hat sie seit der Katastrophe im April keine Orgel mehr gespielt, sondern nur Cembalo, zum anderen hat das „liturgische Orgelspiel“ (die Begleitung des Gemeindegesangs mit improvisierten Vor- bzw. Nachspielen) im italienischen Orgel-Studium und in der Praxis dort nicht den Stellenwert wie hier zu Lande.
 
Bis Ende September dauert das Stipendium für die Musikerin. Doch Sarah überlegt, ihr Studium in Deutschland zu beenden, da ihr hier die qualifizierte Ausbildung gefällt. Ihre Zukunft als Musikerin in Italien sieht sie als nicht sehr rosig an, aber das entmutigt sie nicht: „Man muss nur auf neue Ideen kommen“, sagt sie und erzählt begeistert von einem abendlichen Konzert in einer nicht mehr genutzten Kirche, das durch die besondere Örtlichkeit und Stimmung viele Menschen anzog. Begeistert ist sie auch von der Solidarität, die die Menschen in Essen mit den Erdbebenopfern zeigen. „Die Katholische Italienische Mission hat viel Geld gesammelt für uns in L’Auquila. Das macht mich ganz glücklich.“ (gedo/do)

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