„Der interreligiöse Dialog gehört zum Wesen der Kirche“

Die Begegnung von Christen und Muslimen hat einen hohen Stellenwert und gehört zum Alltag im Ruhrbistum. Das unterstrich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck beim Empfang der NRW-Diözesen für Verbände, Beauftragte und Engagierte im christlich-islamischen Dialog in Essen.


Empfang für Verbände, Beauftragte und Engagierte im christlich-islamischen Dialog

Dass die Begegnung zwischen Christen und Muslimen im Bistum Essen zum Alltag gehört, unterstrich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Samstag, 12. Oktober, beim Empfang der NRW-Bistümer für Verbände, Beauftragte und Engagierte im christlich-islamischen Dialog in Essen. „Das Miteinander der Religionen ist als Thema in der Katholischen Kirche weltweit und hier im Ruhrbistum hoch aktuell“, sagte Overbeck vor den zahlreichen Gästen, darunter auch der stellvertretende Generalkonsul der Türkei in Essen, Ahmet Davaz, der Dialogbeauftragte des Zentralrates der Muslime, Ahmad Aweimer, Vertreter der muslimischen Verbände, der Christlich-Islamischen Gesellschaft und der Evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen. 

Der Bischof verwies auf die erste Ansprache von Papst Franziskus an die Vertreter der Religionen vom März diesen Jahres, in der der Heilige Vater auf die Wichtigkeit eines guten und friedlichen Miteinanders der Religionen und besonders auf den christlich-islamischen Dialog hingewiesen habe. Der Dialog solle nach Ansicht des Papstes dazu beitragen, „Brücken zwischen allen Menschen zu bauen, so dass jeder im anderen nicht einen Feind, einen Konkurrenten sieht, sondern einen Bruder, den man annehmen und umarmen soll“.


Die universale Gottesliebe gilt allen Menschen

Bischof Overbeck betonte, dass der interreligiöse und damit auch der christlich-islamische Dialog zum Wesen der Katholischen Kirche gehörten. „Die grundlegenden kirchlichen Dokumente verweisen immer darauf, dass die Sorge für ein gutes und friedliches Miteinander der Religionen ein Kernauftrag der Kirche ist“, so der Bischof. Auch die Bibel weise auf den Wert und die Würde anderer Religionen hin: „In den Heiligen Schriften steht zuerst der Mensch im Mittelpunkt des Heilshandeln Gottes, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Kultur und seiner Religion.“ Die universale Gottesliebe sei an alle Menschen gerichtet. Die Begegnung mit dem Fremden sei eine „Begegnung mit der Gottesliebe in dem Fremden“.

Die heutige Grundlage für den interreligiösen Dialog der Katholischen Kirche sei die 1965 in Rom verkündete „Erklärung über die Haltung der Kirche zu den nicht-christlichen Religionen“ (Nostra Aetate). In diesem Dokument unterstreicht die Kirche, dass sie die Muslime mit „Hochachtung“ betrachte, dass sie die Versöhnung und den Dialog suche, dass es gemeinsame Aufgabe von Christen und Muslime sei, sich aufrichtig um gegenseitiges Verständnis zu mühen und „gemeinsam für alle Menschen soziale Gerechtigkeit, sittliche Güter sowie Frieden und Freiheit“ zu schützen und zu fördern.


Gemeinsam am Aufbau einer friedlichen Welt arbeiten

Auch wenn die Kirche die Aufgabe habe, „Jesus Christus zu verkünden“, sei sie – so Overbeck – zugleich aber „auf den fruchtbaren Dialog mit den Religionen hingeordnet.“ Die Kirche habe den Auftrag, „die Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen“. Deshalb müssten Wort, Tat, Lehre und Praxis übereinstimmen. „Da sich aber die Liebe Gottes auch in den nichtchristlichen Religionen spiegelt, ist die Kirche wesentlich dazu verpflichtet, mit ihnen gemeinsam am Aufbau einer gerechten und friedlichen Welt zu arbeiten“, betonte der Bischof.

Overbeck wies darauf hin, dass in Deutschland rund 4,3 Millionen Menschen muslimischen Glaubens leben, davon allein ein Drittel in Nordrhein-Westfalen. „Ich kann durchaus mit Stolz sagen, dass bis heute viele interreligiöse Lern- und Dialogprozesse von katholischer, evangelischer und muslimischer Seite gestaltet wurden und werden“, sagte der Bischof. Der interreligiöse und damit eingeschlossen der christlich-islamische Dialog habe eine „hohe Priorität“. Ausdrücklich dankte der Bischof allen, die sich hier engagieren.


Konfessionelle Vielfalt ist von Gott gewollt

Dass es im Koran keine einheitliche Position gebe, wie man sich zu anderen Religionen und Weltanschauungen verhalten solle, betonte Professor Dr. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie, in seinem Vortrag. Neben einer pluralistischen und inklusivistischen Position gebe es im Koran auch eine dialogische. „Diese erkennt den anderen an und geht auf ihn zu, um ihn in seiner Logik zu verstehen und zu würdigen“, so Khorchide. Im interreligiösen Dialog setze man seine eigene Überzeugung der Befragung des anderen aus, „ohne den eigenen Wahrheitsanspruch aufzugeben oder zu relativieren“. Dialog bedeute nicht, gleicher Meinung zu sein. „Konfessionelle Vielfalt unter Menschen ist von Gott gewollt“, so Khorchide.  Es gebe keinen Zwang im Glauben und zum Glauben, „damit wir nämlich in Freiheit Ja zu Gott sagen können“, betonte der Professor. Er rief dazu auf, den Dialog zwischen den Religionen nicht als rein theologischen Diskurs zu verstehen, sondern darin die Fragen, die Menschen heute herausfordern, miteinzubeziehen. Khorchide warb für einen „gemeinsamen Beitrag von Christen und Muslimen für Liebe und Barmherzigkeit, um die Welt etwas konstruktiver zu gestalten“.


Die christlich-islamische Begegnung hat sich etabliert

Dass der Weg des Dialoges in den NRW-Diözesen und evangelischen Landeskirchen längst kein „Trampelpfad“ mehr sei, auf dem sich nur wenige bewegten, hatte der Vorsitzende des Arbeitskreises Integration im Bistum Essen, Weihbischof Franz Vorrath, zu Beginn des Empfangs betont: „Die christlich-islamische Begegnung hat sich etabliert und einen festen Platz sowohl bei Christen als auch bei Muslimen bekommen.“ Der Dialog könne nur von Menschen geführt werden, die in der Begegnung den „Respekt vor dem Glauben des anderen mit der Treue zum eigenen Bekenntnis“ verbinden würden. Für die Bistümer in Nordrhein-Westfalen sei der Dialog zwischen Christen und Muslimen unverzichtbar und man wolle diesen Weg engagiert fortsetzen. (do)


Begrüßungsansprache von Weihbischof Franz Vorrath
Festvortrag von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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