„Den Menschen die Nähe Christi anbieten“

Das priesterliche Leben ist ein Leben in nüchterner Wahrnehmung der Wirklichkeit, der eigenen Person sowie der ganzen Welt. In der Seelsorge geht es darum, die Menschen zu suchen, zu sehen und anzusprechen. Das unterstrich Bischof Overbeck im Essener Dom, wo er die Diakone Marius Schmitz und Christoph Werecki zu Priestern weihte.



Bischof Overbeck weihte zwei Diakone zu Priestern

Die Diakone Marius Schmitz aus Duisburg (St. Judas Thaddäus), und Christoph Werecki aus Bottrop (Herz Jesu) hat der Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, am Freitagabend, 6. Juni, im Essener Dom zu Priestern geweiht. Zu Beginn des festlichen Gottesdienstes, musikalisch gestaltet von Instrumentalisten des Sinfonischen Collegiums Essen, Domorganist Sebastian Küchler-Blessing sowie  und vom Mädchenchor am Essener Dom unter Leitung von Professor Raimund Wippermann, wurden die Weihekandidaten vorgestellt. Sie rief der Essener Regens, Domvikar Dr. Kai Reinhold, mit Namen auf. Mit der Antwort „Hier bin ich“ erklärten die Diakone ihre Bereitschaft zum Dienst in der Kirche.

Die Weihekandidaten versprachen, das Priesteramt in Gemeinschaft mit dem Bischof auszuüben, den Dienst der Leitung, der Sakramente und der Verkündigung zu übernehmen und den Armen und Notleidenden zu helfen. Durch Handauflegung weihte Bischof Overbeck die Diakone dann zu Priestern. „Dies ist ein Zeichen dafür, dass Gott von Ihnen in der Kraft seines Geistes Besitz ergreift, dass Sie unter Gottes Händen geborgen sind und auch die Geborgenheit der Kirche erfahren“, betonte Overbeck. Auch alle anderen anwesenden Priester legten ihnen die Hände auf. Als Zeichen ihres Dienstes erhielten die Neupriester die priesterlichen Gewänder. Anschließend salbte der Bischof ihnen die Hände. Für die Feier der Eucharistie, die im Mittelpunkt des Priesteramtes steht, wurden ihnen Kelch und Patene (Hostienschale) überreicht. Zum Abschluss der Weihehandlung erteilte Overbeck ihnen den Friedensgruß als Zeichen der priesterlichen Gemeinschaft.


"Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat"

Dass Priester keine perfekten Menschen seien, sondern Suchende und manchmal auch ratlos, darauf wies Bischof Overbeck in der Predigt hin. Papst Franziskus habe einmal auf die Frage „Wer ist Jorge Mario Bergoglio?“ zunächst mit einem schweigenden Blick geantwortet und dann gesagt: „Ich bin ein Sünder, den der Herr angeschaut hat.“ Dieses Bekenntnis, diese Selbstbeschreibung des Papstes gelte für jeden Christen und auch für die Priester. Jede priesterliche Berufungsgeschichte brauche den „Mut zur eigenen Wirklichkeit, die nichts beschönigt, aber auch nichts in ein dunkles Licht rückt“. Das Priesterliche Leben sei ein „Leben in nüchterner Wahrnehmung der Wirklichkeit, der eigenen Person und der ganzen Welt“. Dazu zählten die eigenen Grenzen genauso wie die Fähigkeiten und Stärken.

Die in der Bibel beschriebene Begegnung Jesu mit dem reichen Zöllner Zachäus rückte der Bischof in den Mittelpunkt seiner Predigt. Zachäus wird vom gemeinen Volk als „Sünder“ betrachtet. Er hat keinen guten Ruf. Von vielen verachtet fühlt er sich dennoch von Jesus angezogen, der den Zöllner anschaut und ihn bittet, gemeinsam Mahl zu halten. „Der Zachäus von Heute ist vielleicht ein unverbesserlicher Individualist, vielleicht ein nicht einzuordnender Mensch, der der Kirche fern steht, der von ihr nichts erwartet, der Fragen hat, der glaubt, aber nicht gesehen werden will“, so Overbeck. Seelsorge heiße, „die Menschen, wie Zachäus einer ist, zu suchen, zu sehen und anzusprechen“, Menschen ein „Ansehen“ zu geben. Der priesterliche Dienst bestehe darin, den Menschen die „Nähe Christi“ anzubieten. "Sie sind eingeladen, Priester zu sein, die wie Jesus auf die Menschen zugehen, wenn diese verstohlen, vielleicht ängstlich oder auch hoffend und sehnsüchtig aus dem Blattwerk ihres lebens schauen", sagte der Bischof zu den beiden Weihekandidaten.

Ihnen wünschte er, sich als zukünftige Priester die Fähigkeit zu bewahren, „der zu sein, der Sie sind, oftmals ein Zweifelnder mit den Zweifelnden, ein Suchender mit den Suchenden, ein Liebender mit den Liebenden, ein Hoffender mit den Hoffenden, ein Glaubender mit den Glaubenden, weil der Glaube vor allem eines ist: Nachfolge“. Diese sei ein nie endender Weg durch die Welt auf der Suche nach und in der Begegnung mit Gott.

Nach der der Weihe werden die Neupriester zum ersten Mal die Eucharistie in ihren Heimatgemeinden, die  so genannte „Primiz“, feiern. Dort spenden sie, ebenfalls durch Handauflegung und Gebet, den Primizsegen. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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