Das „LauschGericht“ weckt Freude am Lesen und Vorlesen

1.900 Menschen an Rhein und Ruhr lassen sich von der Vorlese-Aktion des Bistums Essen begeistern.

1.900 Menschen an Rhein und Ruhr lassen sich von der Vorlese-Aktion des Bistums Essen begeistern.

Eine kleine literarische Pause am Esstisch – das ist die Idee des „LauschGerichts“, das zum bundesweiten Vorlesetag am 20. November überall an Rhein und Ruhr mit Begeisterung aufgenommen wurde. Das Bistum Essen hatte im Vorfeld Menschen gesucht, die gern vorlesen, und sie zu Tischgemeinschaften geschickt, die ihre gemeinsame Mahlzeit an diesem Tag durch eine Lektüre bereichern wollten. Das „LauschGericht“, eine Idee des Bistums Essen, knüpft an die alte klösterliche Tradition der Tischlesung an. Es soll die Freude am Vorlesen und am eigenen Lesen wecken, fand in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und stieß auf großes Interesse: „Rund 1.900 Menschen sitzen in diesem Jahr beim ‚LauschGericht‘ mit am Tisch, weit mehr als doppelt so viele wie im ersten Jahr. 80 Vorleserinnen und Vorleser zwischen neun und 82 Jahren hatten sich angemeldet“, freut sich Vera Steinkamp, Leiterin des Medienforums im Bistum Essen, das zu der Vorlese-Aktion eingeladen hatte.

Vorgelesen wurde zum Beispiel in der Wohnung von Rita Böhm in Essen-Fulerum, die ihre Freundinnen zum „LauschGericht“ eingeladen hatte: Als Kommunionmütter hatten sich die sechs Damen vor 30 Jahren in ihrer damaligen Pfarrei St. Augustinus kennengelernt. Seit damals treffen sich die heute 70- bis 80-Jährigen einmal monatlich zum Frühstück, im Museum oder auch mal auf dem Weihnachtsmarkt und heute eben zum „LauschGericht“. Als die Vorleserin Annette Allkemper eintrifft, trägt Gastgeberin Rita Böhm noch schnell den „Balkan-Auflauf“ zu Tisch und schenkt Wein und Wasser nach. Annette Allkemper (55), die im Mehrgenerationenhaus wohnt und auch dort im Vorlese-Projekt aktiv ist, schlägt „Léon und Louise“ von Alex Capus auf und fängt an, aus dieser Liebesgeschichte aus der Zeit zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg vorzulesen, während leise das Geschirr klappert und die Frauen am Tisch neben der Lektüre auch das Essen genießen.

Ein paar Kilometer weiter Richtung Hauptbahnhof gibt es heute ebenfalls einen Auflauf, und zwar im Untergeschoss der Mercator-Stiftung. Zehn Kolleginnen und Kollegen, die sich auch an normalen Werktagen zum Mittagessen zusammensetzen, treffen sich heute zum „LauschGericht“. Als „Profi-Vorleser“ stößt der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer zu der Runde. Er bringt Henning Mankells „Treibsand“ mit. „Das passt in den November und in unsere schwierige Zeit, denn es handelt davon, was das Menschsein ausmacht“, erklärt Pfeffer, bevor er anfängt, vorzulesen.  

In Anwaltskanzleien, Banken, in der Kleiderkammer, in Büros, privaten Esszimmern, Handwerksbetrieben, Schulen und Tagesstätten, in der Haftanstalt, in offenen Jugendclubs und Seniorenheimen – an 80 Esstischen im Ruhrbistum wurde heute vorgelesen. Eine richtige Lese-Bewegung sei da entstanden, findet Vera Steinkamp und blickt schon ins nächste Jahr: Am 18. November 2016 wird das „LauschGericht“ wieder Vorleser und Zuhörer an einen Tisch bringen. (cs)

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