Das eigene Haus zu einem „Haus Gottes“ werden lassen

Der 8. Juli, das Fest des heiligen Kilian, gilt seit dem Mittelalter als Weihedatum der Essener Münsterkirche. Die äußere Feier wurde am 5. Juli mit einem Pontifikalamt begangen, das Diözesanadministrator Franz Vorrath im Essener Dom feierte.

Diözesanadministrator Franz Vorrath predigte beim Kirchweihfest der Essener Münsterkirche


Viel könnten die Steine des Essener Doms erzählen, von guten und auch von schlechten Zeiten. „Von Kriegs- und Friedenszeiten können sie reden, von der Freude und vom Leid der Menschen, die hier ein und aus gingen, von ungezählten Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Trauerfeiern“, sagte der Diözesanadministrator des Bistums Essen, Weihbischof  Franz Vorrath, im Festgottesdienst anlässlich der äußeren Feier der Kirchweihe der Essener Münsterkirche am 5. Juli.

 Doch die Steine des Domes könnten auch von der „größten Revolution in der Geschichte der Menschheit“ erzählen. Diese Revolution sei die „Erfindung“ des Hauses. „Wir bauen uns ein Haus aber nicht nur, damit es uns nicht auf den Kopf regnet“, meinte Vorrath. Mit dem Bau eines Hauses errichte man sich seine „eigene, kleine Welt in die große, ganze Welt“ hinein. Doch dieses Haus werde für den Menschen zu einem wirklichen Haus, „wenn er sich nicht darin einmauert, sondern weil dieses Haus Fenster und Türen hat, durch die die Welt hereinkommt und hinausgeht“, so der Weihbischof.

Dass der Mensch aber seinem Gott ein Haus baue, sei wohl „das Kühnste“. Gott könne man nicht „in unsere Maße zwingen“. Schon das Volk Israel habe gewusst, dass Gott  der „Gott des Himmels und der Erde“ sei, größer als alles, was der Mensch umbauen könne. „Doch wenn wir unserem Gott ein Haus bauen, dann heißt das: Gott ist bei uns zu Hause  und wir sind zu Hause bei Gott“, sagte Vorrath. Aber Gott sei nicht nur dort, wo Menschen ihm ein Haus bauten. „Gott will uns dort begegnen, wo der Mensch am meisten Mensch ist. Gott will mit uns und für uns Mensch sein“, betonte der Weihbischof.

Das eigene Haus solle so sein, dass es ein "Haus Gottes“ werden könne. „Wer zu uns nach Hause kommt, soll erfahren, dass dort die Liebe dessen wohnt, der den Menschen Heimat ist. Er soll erfahren können, dass wir uns in der Liebe Gottes zu Hause fühlen und dass sich bei uns jeder zu Hause fühlen kann “, so Vorrath. Dann würden sich die Dimensionen Gottes, überall zu sein und nirgends, miteinander verbinden. „Dann wird der Mensch Heimat finden, weil Gott selbst bei uns Heimat hat“, betonte der Weihbischof. Das sei der Sinn der Feier der Kirchweihe.

Erbaut wurde die Gründungskirche, die Essener Münsterkirche, zwischen 850 und 870, bestehend aus dreischiffigem Langhaus, Querhaus und dreiteiligem Chor. Aufgrund der mittelalterlichen liturgischen Praxis in Essen galt das Fest des heiligen Kilian (8. Juli), dessen Verehrung in Essen durch zahlreiche Quellen des 9. und 10. Jahrhunderts belegt ist, als Weihedatum der Münsterkirche. (do)

Predigt von Diözesanadministrator Franz Vorrath am Kirchweihfest der Essener Kathedralkirche 

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