Da sein, wenn das Unbegreifliche geschieht

Notfallseelsorger helfen, die ersten Stunden nach einem Schicksalsschlag zu bestehen. Im Einsatz sind haupt- und ehrenamtliche Kräfte, die zuvor eine gründliche Ausbildung durchlaufen.

Notfallseelsorger helfen, die ersten Stunden nach einem Schicksalsschlag zu bestehen

Plötzlich ist nichts mehr so, wie es war: Die Teilnehmer der Loveparade in Duisburg, deren katastrophales Unglück sich am Freitag zum fünften Mal jährt, werden diesen Schicksalstag nie vergessen. Aber auch die alltäglichen Katastrophen, etwa der Tod eines nahe stehenden Menschen, verändert unumkehrbar das eigene Leben. In beiden Fällen sind Notfallseelsorger vor Ort. Mediale Aufmerksamkeit erhalten sie an öffentlichen Unfallorten, ebenso tiefgreifend aber ist ihr Einsatz im privaten Raum.

Ulrich Slatosch, im Bistum Essen verantwortlich für die Seelsorge in Feuerwehr und Rettungsdienst, hat unzählige Male erlebt, wie wichtig der schnelle Beistand ist, damit die Hinterbliebenen sich der unbegreiflichen Situation stellen können. „Wenn ein älterer Mensch seinen langjährigen Partner durch Herzinfarkt verliert oder junge Eltern ihr Baby durch plötzlichen Säuglingstod, können die Rettungskräfte sie nach ihrem Einsatz nicht einfach allein zurücklassen“, sagt Slatosch, der Jahre lang selbst als Feuerwehrmann und Rettungssanitäter gearbeitet hat. Aufgabe des von den Einsatzkräften schnell hinzu gerufenen Notfallseelsorgers sei es dann, in diesen ersten Stunden nach dem Unglück anwesend zu sein und zu erspüren, was der Hinterbliebene brauche. „Zunächst einmal sind wir einfach da, bieten an, Abschied zu nehmen, den Toten noch mal zu berühren, beten vielleicht zusammen. Das kann auch bedeuten, jemanden in den Arm zu nehmen und mit ihm zu weinen.“ Vordringlichste Aufgabe sei, den Hinterbliebenen anzuleiten, den Tod zu begreifen, damit er wieder handlungsfähig werde und ein Trauerprozess in Gang kommen könne.

Notfallseelsorge wird von hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern geleistet und von den Kirchen ökumenisch organisiert. Seit 2006 gibt es eine gemeinsame Vereinbarung der Bistümer und Landeskirchen in NRW zur Aus- und Fortbildung von Haupt- und Ehrenamtlichen. Ehrenamtliche Notfallseelsorger müssen vor ihrem ersten Einsatz eine mindestens 80-stündige theoretische Ausbildung und einen Praxiseinsatz durchlaufen. Sie werden bei ihrer belastenden Tätigkeit fortlaufend psycho-sozial unterstützt. Im Bistum Essen sind derzeit rund 50 Ehrenamtliche im Einsatz. Weitere Informationen gibt es unter www.ehrenamt.bistum-essen.de.  (cs)

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