„Christsein bedeutet, Tag für Tag neu zu lernen“

Was bedeutet es, heute Christ zu sein? Diese Frage diskutierte Bischof Overbeck in einem zweiten Glaubensgespräch mit jungen Leuten auf dem Weltjugendtag in Rio de Janeiro. Dabei ging es auch um den Stellenwert der Beichte und um Vorbilder für das eigene Christsein.


Zweites Glaubensgespräch mit Bischof Overbeck auf dem Weltjugendtag

Ein Christ lebt überzeugend, wenn er nicht nur redet, sondern auch danach handelt. „Wort und Tun gehören zusammen. Wenn beides auseinanderfällt, wird man unglaubwürdig“, unterstrich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck am Donnerstag, 25. Juli, in einem zweiten Glaubensgespräch mit jungen Leuten auf dem Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

Viele könnten heute mit dem christlichen Glauben wenig anfangen, auch wenn sie getauft seien. „Und es gibt nicht wenige, die sich vom Christsein abwenden, weil sie die Kirche nicht verstehen, von ihr enttäuscht oder verletzt worden sind“, sagte Overbeck. Darüber hinaus gebe es Menschen, die entweder Religiöses ablehnten oder sich an anderen Religionen oder Lebensweisen orientierten. „Was bedeutet für uns in einem solchen Umfeld heute, Christ zu sein?“, fragte der Bischof die Jugendlichen.

Christ zu sein bedeute, Tag für Tag neu zu lernen, in die „Schule des Glaubens“ zu gehen. „Christsein bedeutet nie, fertig zu sein, sondern immer wieder aufzubrechen, neu zu werden, mich berühren zu lassen von Jesus“, betonte Overbeck. Christsein heiße, sich immer wieder an Gott zu wenden, eng mit ihm in Verbindung zu sein und zu beten. „Es ist das bedingungslose Vertrauen in Gott, die Gewissheit, dass er mich trägt“, so der Bischof.


Sensibel, wach, aufmerksam, solidarisch

Christ zu sein bedeute auch, sensibel für die Menschen zu sein, wach und aufmerksam. „Solidarität zu üben, beim Mitmenschen zu sein, aufmerksam und achtsam, das zeichnet den Christen aus“, unterstrich Overbeck. Die Solidarität müsse vor allem den Menschen gelten, die am Rande stehen, ausgegrenzt werden, keine Anerkennung erfahren, arbeitslos sind und durch das soziale Netz fallen, die unter Armut leiden und keine Stimme haben.

Zum Christsein gehöre auch die Versöhnung mit Gott. „Wo ich schuldig geworden bin, aufgrund meiner eigenen Schwäche Fehler gemacht habe, da bin ich auf Gott angewiesen, auf seine Vergebung“, betonte Overbeck.
Er räumte ein, dass viele heute mit der Beichte, dem Sakrament der Versöhnung, wenig anfangen könnten. Doch der Christ sei auf die Versöhnung mit Gott angewiesen.

Wichtige Facetten des Christseins würden an den beiden Päpsten Johannes XXIII. und Johannes Paul II. deutlich, die – so wurde es angekündigt – heiliggesprochen werden sollen. „Heilige sind Menschen, die ganz in der Nachfolge Jesu gelebt haben, deren Christsein beispielhaft ist“, so Overbeck. Papst Johannes XXIII. sei ein Christ gewesen, „der wach war für die Zeichen der Zeit und Mut hatte, ein Mann mit seinem großen Herzen und einem tiefen Vertrauen in Gott“, sagte der Bischof.

Papst Johannes Paul II., den Overbeck während seiner Studienzeit in Rom persönlich erlebt und dem er manchmal als Diakon assistiert hat, sei „ganz bei Gott“ gewesen. „Wer in seiner Nähe war, konnte spüren, „dass da ein Mensch ganz von Gott her lebt“, so Overbeck. Er beschrieb den Papst als einen Menschen „in größter Offenheit für die Menschen, vor allem für die jungen“. So habe er 1984 den Weltjugendtag ins Leben gerufen. Auch sei er ein durch und durch politischer Mensch gewesen, dem die Sorgen und Nöte der ganzen Welt sprichwörtlich an die Nieren gingen. (do)


Zweite Katechese von Bischof Overbeck auf dem Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro

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