„Christen und Muslime für das Ruhrgebiet“

Für die konsequente Fortsetzung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen und für ein friedliches Zusammenleben hat sich erneut der Essener Weihbischof Franz Vorrath ausgesprochen. Die rechtspopulistische Bewegung ProNRW greife mit ihren Aktionen zentrale Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung an.

Arbeitskreis Integration im Bistum Essen gegen ProNRW-Aktionen


Für die konsequente Fortsetzung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen und für ein friedliches Zusammenleben hat sich erneut der Essener Weihbischof Franz Vorrath ausgesprochen. „Mit den Angriffen auf die Religionsfreiheit, der Diskriminierung von Ausländern und Muslimen sowie mit dem Verstoß gegen das Gebot der Fairness sind nicht nur demokratische, sondern auch zentrale christliche Werte berührt“, betonte der Vorsitzende des Arbeitskreises Integration im Bistum Essen mit Blick auf die geplanten Aktionen der rechtspopulistischen Bewegung ProNRW. Das „Gemeinsame Wort zum Zusammenleben der Religionen“ der Präsides der Evangelischen Kirche  von Westfalen und der Evangelischen Kirche im Rheinland sowie der Bischöfe von Münster und Essen stelle fest, dass die Positionen von ProNRW mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar seien.

In dieser jetzt veröffentlichten Erklärung weisen die Unterzeichner den Versuch von ProNRW zurück, mit dem Motto „Abendland in Christenhand“ Christen für ProNRW zu vereinnahmen. „ProNRW spricht in keiner Weise für die evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümer im Ruhrgebiet“, machte Vorrath deutlich. Auf der anderen Seite appellieren die Kirchen an alle Christen, sich an den kirchlichen Veranstaltungen vor Ort zu  beteiligen und sich für ein friedliches Zusammenleben mit den Muslimen einzusetzen. Kontakt zu den muslimischen Nachbarn zu halten und für den gegenseitigen Abbau von Vorurteilen einzutreten, das ist nach Ansicht des Weihbischofs jetzt gefragt.

Genau dafür wolle auch ein neues Plakat des Arbeitskreises Integration im Bistum Essen werben, der jetzt genau zehn Jahre besteht. „Respekt – Toleranz – Fairness“ – auf der Grundlage dieser Werte soll für ein Miteinander von Christen und Muslimen geworben werden. Dafür stehen auch acht auf dem Plakat abgebildete Personen, die sich an unterschiedlichen Orten für den interreligiösen Dialog engagieren. Die Unterzeile „Christen und Muslime für das Ruhrgebiet“ bringe zum Ausdruck, „dass das Ziel dieses Dialoges der gemeinsame Einsatz für Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und Frieden ist“, so Vorrath.

Im interreligiösen Dialog gehe es nicht um eine „Vermischung“ oder „Ignorierung unüberbrückbarer Unterschiede  zwischen dem Glauben der Christen und dem der Muslime“. Es sollten vielmehr die ebenfalls vorhanden Gemeinsamkeiten entdeckt und „die Unterschiede so erklärt werden, dass die gegenseitige Verständigung wächst“, sagte Vorrath. Denn die „Beheimatung in der eigenen Religion“ und die „Treue zum eigenen Glauben“ seien ebenso ein Vorraussetzung für einen fruchtbaren Dialog wie die „Offenheit für Menschen anderen Glaubens“.


Moschee- und Minarettverbote lösen kein einziges Problem

Die Aktionen von ProNRW sind für den Weihbischof Bestandteil einer fremden- und islamfeindlichen Kampagne. „Proteste gegen den Islam und die Muslime sowie Moschee- und Minarettverbote lösen kein einziges Problem“, betonte Vorrath. Bereits 2001 habe der Arbeitskreis Integration in einer Orientierungshilfe festgestellt, dass Muslime in Deutschland grundsätzlich das Recht hätten, würdige Moscheen zu errichten. Auch ein Minarettverbot, wie es ProNRW und NPD jetzt fordern, ist nach Ansicht des Weihbischofs „mit wirklicher Religionsfreiheit nicht zu vereinbaren“.

ProNRW greife zentrale Werte der freiheitlich-demokratischen Grundordnung an. Ablehnung von und Hass gegen Ausländer und Muslime werde geschürt. Das „Recht auf Kritik im Einzelfall“ gehört für Vorrath aber zu einer demokratisch verfassten Gesellschaft, die in religiöser Hinsicht immer pluraler werde. Debatten über Moscheebauprojekte, die Rolle der Moscheevereine im Integrationsprozess, über die Einflussnahme des türkischen Staates, über Spannungen oder Widersprüche zwischen religiös begründetem Verhalten und den Werten des Grundgesetzes müssten geführt werden. Doch „Kritik ist erlaubt, Hetze nicht“, machte Vorrath klar. Doch er wandte sich entschieden gegen alle Versuche, die damit verbundenen Sorgen und Ängste der Bevölkerung politisch zu instrumentalisieren, wie es einer Ansicht nach ProNRW und die NPD tun. „Kritik ist erlaubt, Hetze nicht“, machte der Weihbischof klar.

Seit nun zehn Jahren widmet sich der „Arbeitskreis Integration im Bistum Essen“ verstärkt dem Thema „Integration“ und dem christlich-islamischen Dialog. „Grundlage der Arbeit ist die Überzeugung, dass Integration ein Prozess ist, in dem beide Seiten – die Zuwanderer und die aufnehmende Gesellschaft – eine Bringschuld haben“, so Volker Meißner, Geschäftsführer des Arbeitskreises. Die Begegnung von Christen und Muslimen beschränke sich nicht auf Podiumsdiskussion, sondern geschehe ganz entscheidend vor Ort. Deshalb komme es darauf an, „Offenheit und Dialog in Kirche und Gemeinde durchzutragen“.  Dafür engagierten sich in den Städten des Ruhrbistums auch die so genannten „Islambeauftragten“ der katholischen Kirche. (do)

Statement von Weihbischof Franz Vorrath

Gemeinsames Wort zum Zusammenleben der Religionen

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