Caritas: Zu viele Schulabbrecher im Ruhrgebiet

Nach Ansicht der Caritas im Ruhrbistum verlassen zu viele Jugendliche die Schule ohne einen Abschluss. In Städten wie Gelsenkirchen oder Duisburg liegen die Quoten über dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Die Gründe dafür sind vielschichtig.


Caritas fordert bessere Koordinierung von Hilfsangeboten

„Zu viele Jugendliche verlassen im Ruhrgebiet die Schule ohne einen Abschluss“, kritisiert der Direktor des Caritasverbandes für das Bistum Essen, Andreas Meiwes. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Deutsche Caritasverband heute veröffentlicht hat.

Zwar ist die Quote der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss deutschlandweit von sechs Prozent im Jahr 2011 auf 5,6 Prozent im Jahr 2012 gesunken. Städte wie Gelsenkirchen (10,81 Prozent), Duisburg (8,07 Prozent) und Bottrop (7,17 Prozent) liegen aber immer noch über dem Bundes- und Landesschnitt. "Jeder Jugendliche, der die Schule ohne einen Abschluss verlässt, ist einer zu viel", betont Meiwes. Einen Ausbildungsplatz und damit eine berufliche Perspektive zu finden, sei ohne einen Schulabschluss kaum möglich.

Kinderarmut, Abbau von Hilfen beim Übergang von Schule und Beruf, unterfinanzierte Ganztagsschulen und Schulsozialarbeit: Die Gründe für die hohen Quoten im Ruhrgebiet sind vielschichtig. Meiwes beklagt, dass Politik und Behörden in diesem Feld nicht ausreichend zusammen arbeiten. "Nur wenn Politik, Schulen, Arbeitsämter und Wirtschaft kooperieren, schaffen mehr junge Menschen ihren Abschluss. Wir brauchen einen gut koordinierten Mix aus Schulsozialarbeit, frühen Hilfen, Berufsorientierung, Elternarbeit und Angeboten für schulmüde Jugendliche." Ein guter Ansatz für so ein Schnittstellenmanagement sei das Konzept der "plus Kitas". Ab August können Kitas in NRW zusätzliches Personal bekommen, das sich um Kinder kümmert, die besonders von Kinderarmut oder Nachteilen von Migration betroffen sind.

Im dritten Jahr in Folge hat die Caritas deutschlandweit ausgewertet, wie viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss verlassen. Nach wie vor zeigen sich zwischen den ost- und westdeutschen Bundesländern deutliche Unterschiede in der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss. So verlassen in Bayern 4,6 Prozent der Schüler die Schule ohne Abschluss, wogegen es in Sachsen-Anhalt rund 11 Prozent sind. Insgesamt sind jedoch die Quoten der Schulabgänger ohne Abschluss mit Ausnahme des Saarlands gesunken.

Auf Kreisebene ist die Entwicklung uneinheitlich: In 64 Prozent der Kreise sank die Quote, in 33 Prozent der Kreise stieg sie. Auf Kreisebene liegen die Quoten zwischen Ost- und Westdeutschland ebenfalls weit auseinander. So verlassen in Mainz nur 1,5 Prozent die Schule ohne Hauptschulabschluss, im Altmarkkreis Salzwedel dagegen 15,4 Prozent. (cde/do)

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