Bistum Essen zieht Bilanz seiner Präventionsschulungen

Bereits rund 900 Beschäftigte katholischer Einrichtungen im Bistum Essen haben sich in den vor einem Jahr gestarteten Schulungen mit den Gefahren sexualisierter Gewalt auseinandergesetzt. Generalvikar Klaus Pfeffer: „Wir nehmen unsere Verantwortung wahr“.

Bereits 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Generalvikar Klaus Pfeffer: „Wir nehmen unsere Verantwortung wahr“.

Rund ein Jahr nach Beginn der Präventionsschulungen für alle Beschäftigten katholischer Einrichtungen im Bistum Essen hat Generalvikar Klaus Pfeffer eine erste, positive Bilanz gezogen: „Mittlerweile haben sich gut die Hälfte unseres pastoralen Personals, also Priester, Diakone, Gemeinde- oder Pastoralreferenten, sowie fast drei Viertel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Generalvikariats in Schulungen umfassend mit sexuellem Missbrauch auseinander gesetzt und informiert“, sagte Pfeffer am Donnerstag in Essen. „Bis Ende dieses Jahres werden zudem alle Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen unseres Bistums die entsprechenden Kurse durchlaufen haben“, so Pfeffer. Ziel des umfangreichen Schulungsprogramms sei es, bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine hohe Sensibilität zu wecken, um sexuellen Missbrauch rechtzeitig zu erkennen und diesem entschieden entgegen zu treten. Insgesamt hätten in den ersten zwölf Monaten des Programms rund 900 Beschäftigte katholischer Einrichtung im Ruhrgebiet und dem märkischen Sauerland an rund 60 Schulungs-Veranstaltungen teilgenommen. „Wir haben aus dem Missbrauchs-Skandal in unserer Kirche gelernt und nehmen unsere besondere Verantwortung wahr, um alles zu tun, damit sexualisierte Gewalt bei uns verhindert wird“, bilanziert Pfeffer auch mit Blick auf die jüngste Studie des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung. Diese im vergangenen Jahr vorgestellte Umfrage hatte unter anderem ergeben, dass zwar 70 Prozent aller befragten Einrichtungen – darunter neben Kirchengemeinden auch Kinderheime, Internate oder etwa Sportvereine – Präventionsmaßnahmen umsetzen. Lediglich 16 Prozent der Institutionen verfügten indes über ein umfassendes Präventionskonzept.

Als Reaktion auf den Anfang 2010 aufgedeckten Missbrauchsskandal in katholischen Einrichtungen hatte sich das Bistum Essen eine Präventionsordnung gegeben. In dieser wurden neben Vorschriften, die beispielsweise die Abgabe erweiterter Führungszeugnisse regeln, auch die verpflichtenden Schulungen für alle Beschäftigten festgelegt. Nach der inhaltlichen Ausarbeitung dieser – je nach Personenkreis zwischen einem halben und zwei Tagen dauernden – Seminare seien mittlerweile rund 900 Teilnehmer darin ausgebildet worden, Hinweise auf sexualisierte Gewalt zu erkennen und dieser vorzubeugen.

Die Rückmeldungen der Teilnehmer seien durchweg positiv sagt der Referent für die Präventionsschulungen im Bistum Essen, Daniel Wörmann: „Selbst wenn bei einigen am Anfang die Skepsis überwiegt, sind sich die Teilnehmer nach der Schulung in der Regel einig, dass es gut ist, sich mit diesem wichtigen Thema so intensiv zu beschäftigten.“ Nicht selten sei es in den Schulungen zudem zu Situationen gekommen, in denen Teilnehmer durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema an eigene Erlebnisse mit sexualisierter Gewalt erinnert worden seien, berichtet Wörmann. Dann sei die besondere Behutsamkeit der Referentinnen und Referenten gefragt, so Wörmann. „In der Regel geht es dann um Vorkommnisse in der eigenen Familie“, so Wörmanns Erfahrung.

Ziel sei es, möglichst bald alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Prävention sexualisierter Gewalt zu schulen, bekräftigt Generalvikar Pfeffer. Analog zu den auf hauptamtliche Beschäftigte zugeschnittenen Angeboten des Bistums würden gemeinsam mit den Kirchengemeinden vor Ort auch Schulungsangebote für Ehrenamtliche entwickelt. Zudem erarbeitet das Ruhrbistum derzeit ein Konzept, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch mittel- und langfristig immer wieder neu mit dem Thema zu konfrontieren. „Wir wollen möglichen Missbrauchstätern damit klar signalisieren, dass es bei uns eine hohe Wachsamkeit gibt. Wir lassen nicht zu, dass Kinder, Jugendliche und andere Schutzbefohlene im Raum der Kirche zu Schaden kommen. Darum wird dieses Thema auf Dauer ein fester Bestandteil unserer betrieblichen Aus- und Weiterbildung“, betont Generalvikar Pfeffer. (tr)

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