Bischof Overbeck: „Die Welt mischt sich neu“

Deutsche Bischöfe beenden Herbsttagung in Fulda. Knapp 100 Millionen Euro an kirchlichen Geldern stehen für Flüchtlinge zur Verfügung. Die Hilfe wird noch effektiver koordiniert.

Deutsche Bischöfe beenden Herbsttagung in Fulda. Knapp 100 Millionen Euro an kirchlicher Flüchtlingshilfe

„Bleiben Sie engagiert!“, rufen die deutschen Bischöfe ihren Landsleuten angesichts steigender Flüchtlingszahlen zu. Die Bereitstellung von Wohnraum nennt Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, die derzeit dringlichste Aufgabe. Zugleich fordert er angesichts des heutigen Flüchtlingsgipfels im Bundeskanzleramt, die Standards der Asylverfahren sowie des Verfassungsrechts aufrecht zu erhalten. Insbesondere dürfe das Recht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum nicht beschnitten werden, sagte Marx am Donnerstag zum Abschluss der Bischofsvollversammlung in Fulda.  

Während ihrer viertägigen Herbsttagung besprachen die 65 deutschen katholischen Bischöfe ausführlich Fragen der Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa. Den Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße ernannten die Bischöfe zu ihrem Sonderbeauftragten in Flüchtlingsfragen, um die Hilfsmöglichkeiten der katholischen Kirche effektiver koordinieren zu können. Im laufenden Jahr stellt die katholische Kirche mit ihren Diözesen, Gemeinden und Hilfswerken knapp 100 Millionen Euro an Hilfsgeldern bereit. Etwa ein Drittel der Summe fließt in die Arbeit der Hilfswerke in den Herkunftsländern der Flüchtlinge.

Dem persönlichen Engagement der Christen zollten die Bischöfe hohen Respekt. Auf rund 200.000 Personen bundesweit schätzen sie die Zahl der ehrenamtlichen Helfer in den christlichen Kirchen. Vor allem die persönliche Begegnung zwischen ansässiger Bevölkerung und Zuwanderern sei von hohem Wert, sagte Kardinal Marx; sie gebe Menschen das Gefühl, nicht nur versorgt, sondern angenommen zu werden. Im Sinne sozialer Gerechtigkeit könne der gesellschaftliche Frieden jedoch nur gesichert werden, wenn einerseits die deutsche Bevölkerung bereit sei, sich dem Fremden zu öffnen, und andererseits die Zuwanderer Recht und Kultur ihres Aufnahmelandes anerkennen würden.

Ruhrbischof Dr. Franz-Josef Overbeck rief in seiner Predigt zur Abschlussandacht der Herbsttagung dazu auf, die Grenzerfahrungen, die mit dem Zuzug so vieler Flüchtlinge einhergingen, auch als Chance auf Wachstum zu begreifen: „Unsere Welt mischt sich neu. Was sich seit Jahren angekündigt hat, wird nun mit einer bisher unvorstellbaren Dynamik erfahrbar“, sagte Overbeck, „Zorn oder allgemeine Betroffenheit helfen nicht. Unsere Identität steht auf dem Prüfstand, und unsere Solidarität ist gefragt.“  Nicht die Unglückspropheten sollten den Menschen Angst einflößen und sie lähmen. „Vielmehr treibt uns eine wirkliche Kompassion, eine Mitleidenschaft für die Menschen von heute.“

Neben den Fragen der Flüchtlingshilfe diskutierten die Bischöfe auch über die im Oktober in Rom tagende Weltbischofssynode zu Ehe und Familie. „Natürlich steht für uns die Unauflöslichkeit der sakramentalen Ehe außerhalb jeden Zweifels. Diese Lehre und Überzeugung kann nicht verändert werden“, erklärte Marx, „wohl aber muss ein Weg gefunden werden, wie Gläubige, die nach einer zivilen Scheidung zivil abermals geheiratet haben, in der Kirche leben und mitwirken können.“

Zum transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP kündigte Marx für die nächsten Wochen eine sozialethische Stellungnahme an, die bei grundsätzlicher Zustimmung auch die möglichen Kritikpunkte benennen werde.  

Zu den in Fulda bekannt gegebenen Personalveränderungen gehört auch die Ernennung des Essener Weihbischofs Ludger Schepers, Bischofsvikar für Weltkirche und Mission im Ruhrbistum, zum Vorsitzenden der Unterkommission für Missionsfragen in der Deutschen Bischofskonferenz - hier insbesondere für das katholische Hilfswerk Missio. (cs)

Die Predigt von Bischof Overbeck im Wortlaut (pdf)

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