Beruf und Familie unter einem Hut

Die Kinder sind krank, der pflegebedürftige Vater muss dringend zum Arzt - Situationen, die nicht planbar sind. Aber mit einem familienfreundlichen Arbeitgeber lassen sie sich organisieren. Das Bischöfliche Generalvikariat macht sich dafür stark, dass Beruf und Familie vereinbar sind. Dafür gab es jetzt das Zertifikat "audit berufundfamilie".

Generalvikariat für familienbewusste Personalpolitik ausgezeichnet


Morgens gehen Joris und seine Mutter immer gemeinsam aus dem Haus. Sie beide genießen diesen Start in den Tag: Ursula Deggerich bringt ihren achtjährigen Sohn zur Schule, von dort aus fährt sie dann nach Essen ins Bischöfliche Generalvikariat. Hier arbeitet die 45jährige als Referentin im Dezernat Schule und Hochschule. Am Nachmittag ist sie in der Regel wieder zuhause, es sei denn, da ist der eine oder andere Abendtermin. „Bei mir klappt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, ist Ursula Deggerich überzeugt. „Gerade dann, wenn mein Sohn mich braucht, bin ich wieder zuhause.“ Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das heißt im Fall von Ursula Deggerich aber nicht nur die Vereinbarkeit ihrer beruflichen Tätigkeit mit dem gemeinsamen Leben mit Mann und Sohn. Die Krefelderin betreut auch ihre pflegebedürftigen Eltern. „Auch den Einsatz in der Betreuung meiner Eltern muss ich mit meinem Beruf unter einen Hut bringen“, so Ursula Deggerich.

Als Referentin im Dezernat Schule und Hochschule hat sie einen Vertrag über 24 Wochenstunden und ist Ansprechpartnerin für die Belange der Hauptschulen, Realschulen und Förderschulen im Ruhrbistum. „Ich habe Vertrauensarbeitszeit, das ist in meinem Fall ein echter Vorteil“, so Deggerich. Ihre Mehrfachbelastung werde auch innerhalb der Abteilung ernst genommen und wo es gehe, werde sie unterstützt. So habe sie im Krankheitsfall ihres heute achtjährigen Sohnes bis heute nie ein böses oder abschätzendes Wort in der Abteilung gehört. Zurückblickend ist sie auch noch immer sehr zufrieden, wie entgegenkommend ihr Abteilungsleiter war, als es darum ging, in den unterschiedlichen Lebensphasen des Sohnes das Arbeitszeitmodell individuell anzupassen.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dem Bischöflichen Generalvikariat, dem Arbeitgeber von Ursula Deggerich und weiteren 375 Frauen und Männern, sehr wichtig. Dies belegt jetzt auch das Zertifikat „audit berufundfamilie“ der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, das den hohen Standard der Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie in dem Unternehmen benennt. Die Zertifikatsurkunde hat Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder, audit–Schirmherrin, am Freitag, 11. Juni, gemeinsam mit Peter Hintze, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, überreicht. Entgegengenommen hat das Zertifikat die Essener Delegation, bestehend aus Dr. Hans-Werner Thönnes, Generalvikar des Bistums Essen, Berthold Rose, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung, und Günter Eilers, Personalentwickler in der Bischöflichen Verwaltung. Schröder betonte in ihrem Grußwort, dass Familienfreundlichkeit am Arbeitsplatz nicht nur für die Beschäftigten wichtig sei, sie zahle sich auch für den Betrieb aus. „Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die von ihrem Betrieb unterstützt werden, um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bekommen, kehren früher aus der Elternzeit zurück, fallen seltener aus und arbeiten produktiver. Außerdem sind familienfreundliche Betriebe als Arbeitgeber attraktiver. Eine zukunftsfähige, innovative Wirtschaft ist ohne familienfreundliche Arbeitsbedingungen auf Dauer nicht möglich", so Schröder weiter.

„Im Rahmen der Auditierung wurden der Bestand der Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei uns im Unternehmen begutachtet“, erklärt Günter Eilers das Prozedere der Auditierung durch die Hertie-Stiftung. Dazu gehören unter anderem die Vereinbarung differenzierter und flexibler Arbeitszeitmodelle, familienbezogene Freistellungs- und Beurlaubungsmöglichkeiten, Einführung gezielter und regelmäßiger gesundheitsfördernder Maßnahmen, familienbezogene Entgeltbestandteile und geldwerte zusätzliche Leistungen sowie die Vermittlungsmöglichkeit in Bezug auf Beratungsinstitutionen.

Das Zertifikat des „audit berufundfamilie“ gilt für die nächsten drei Jahre. Eine Re-Auditierung im Jahr 2013 setzt eine Weiter- und Neuentwicklung von Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie voraus. Das „audit berufundfamilie“ fördert eine familienbewusste Personalpolitik und wurde auf Initiative und im Auftrag der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung entwickelt. Bei der Zertifizierung werden bereits umgesetzte Maßnahmen begutachtet und das betriebsindividuelle Entwicklungspotenzial aufgezeigt sowie weiterführende Zielvorgaben festgelegt.

Dem Personalentwickler in der Bischöflichen Verwaltung in Essen liegt viel an dem Gelingen dieses Projektes. „Ziel ist es, dass unseren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglichst leicht fällt und das vor dem jeweiligen Hintergrund ihrer persönlichen Lebensentwürfe und familiären Begebenheiten“, betont Eilers. So sieht sich das Bischöfliche Generalvikariat in der Pflicht, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Mitarbeiter Beruf und Familie miteinander ausgewogen verbinden können. „Nicht zuletzt wollen wir mit der Auditierung dem kirchlichen Anspruch, den wir gegenüber anderen Arbeitgebern immer wieder formulieren, selbst gerecht werden“, fügt Günter Eilers hinzu. Denn nur, wenn das Zusammenspiel von Beruf und Familie gelinge und positiv seitens des Arbeitgebers unterstützt werde, sei eine Identifikation der Mitarbeiter mit dem Arbeitgeber und somit auch die Motivation der Mitarbeitenden auf lange Sicht möglich.

Im kirchlichen Bereich wurden bisher die Generalvikariate in Rottenburg/Stuttgart (2002), Osnabrück (2005), Köln (2007), Hildesheim (2008), Paderborn (2008), Münster (2009) sowie der Diözesan-Caritasverband Köln (2006)ausgezeichnet.(dr)

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