Bei den Menschen bleiben

"Bei den Menschen bleiben" ist der Titel einer Festgabe zum 85. Geburtstag von Altbischof Hubert Luthe, die dem Jubilar bei seiner Geburtstagsfeier jetzt überrreicht wurde.



Festgabe Bischof Hubert Luthe zum 85. Geburtstag

„Wir waren sicher, der war der ‚geborene’ Kardinal, der geborene zukünftige Erzbischof von Köln. Mag sein, dass er den Römern zu souverän, vielleicht sogar zu gebildet war und ob er den Nazis passte, ist ungewiss.“ So erinnerte sich der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll an Robert Grosche.
 
Grosche, zunächst Pfarrer in Brühl-Vochem, wurde 1941 Pfarrer an der Kölner Innenstadtkirche St. Mariä Himmelfahrt in der Marzellenstraße und wenig später Stadtdechant. In den letzten Kriegsmonaten  vertrat Grosche den ausgebombten Erzbischof Josef Frings und dessen Verwaltung „bei den Menschen“ im zerstörten Köln. In allen Kreisen der Bevölkerung besaß Grosche hohes Ansehen. In engem Kontakt mit  Politikern wie Konrad Adenauer entwickelte er Pläne für die Zeit nach Krieg. Zugleich war der „intellektuelle Pfarrer“ (u. a. Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf und Übersetzer des Dichters Paul Claudel) ein scharfer und geistreicher Beobachter der dramatischen Zeitumstände, über die er überaus kenntnisreich in seinem Tagebuch berichtet.

Wie Grosches Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt wurde auch die Nachbarpfarrei St. Ursula fast völlig zerstört. Dort hielt der volkstümliche Pfarrer Paul Fetten die Ereignisse in der Pfarrchronik fest. Grosches Tagebuch und Fettens Pfarrchronik sind authentische Quellen zum Leben der Menschen im zerbombten Köln. Neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten beschreiben sie die Hoffnung auf eine Erneuerung von Kirche und Gesellschaft im „Jahrhundert der Extreme“.

Wichtigstes Ziel der beiden Großstadtseelsorger Grosche und Fetten war es, auch in schwierigsten Zeiten bei den Menschen zu bleiben. Ihr Beispiel prägte zahlreiche andere Kölner Geistliche, darunter Hubert Luthe. Der langjährige Sekretär von Kardinal Frings wurde später Weihbischof in Köln und schließlich Bischof von Essen.
 
Grosches Tagebuch und Fettens Pfarrchronik wurden aus Anlass des 85. Geburtstags des Ruhrbischofs Hubert Luthe zusammengeführt, überarbeitet, mit Bildern erläutert und durch ein detailliertes Personenregister erschlossen. Essener und Kölner Sponsoren förderten die von dem bayerischen Kloster-Verlag ermöglichte günstige  Neuausgabe. Erstmals liegen nun diese beiden komplementären Kölner Zeitzeugenberichte zur „Alltags- und Glaubensgeschichte“ in den letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren in einem handlichen und sorgfältig ausgestatteten Band vor.


Marcel  Albert — Reimund Haas (Hg.)
Bei den Menschen bleiben
Kölner Pfarrer und das Ende des Zweiten Weltkriegs
St. Ottilien: EOS-Verlag, 2012. — 381 S., 11 Abb.
Hardcover, Euro 19,95
978-3-8306-7549-5

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