"Aus Liebe zur Wirklichkeit in allem Gott suchen"

Ein Stück Glaubens- und Kirchengeschichte der Stadt Essen geht zu Ende. Am 1. Juli verabschiedete Ruhrbischof Overbeck im Rahmen eines Pontifikalamtes die Jesuiten, die in Essen 400 Jahre gewirkt hatten. Er rief dazu auf, im Geist des Ordensgründers auch bei schmerzlichen Veränderungen "aus der Liebe zur Wirklichkeit" in allem Gott zu suchen.



Bischof Overbeck dankte den Jesuiten für jahrhundertelanges Wirken

Mit dem Weggang der Jesuiten, die vor 400 Jahren von der Fürstäbtissin nach Essen gerufen wurden, geht für Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck ein Stück Glaubens- und Kirchengeschichte Essens zu Ende. „Vielen und auch mir fällt dieser Abschied schwer“, betonte Overbeck am Sonntag, 1. Juli, im Pontifikalamt in der Kirche St. Ignatius in Essen. Er könne die Bemühungen verstehen, den Weggang der Jesuiten zu verhindern. Doch die Entscheidung des Ordens stehe fest.

Der Bischof erinnerte an den Ordensgründer der Jesuiten den heiligen Ignatius, der einmal ein „Heiliger der Wirklichkeit“ genannt worden sei. „Er ist jemand, der uns zeigt und hilft, Ängste abzubauen, Ängste vor der Wirklichkeit, Ängste vor uns selbst, Ängste vor der Welt und vor der Kirche“, so Overbeck. Das Programm des Ordensgründers bedeute, „aus der Liebe zur Wirklichkeit Gott in allem zu suchen und zu finden, also auch jetzt in diesen schmerzlichen Veränderungen“. Die Lebensgeschichte des Heiligen gebe Anregungen, mit diesen Veränderungen umzugehen. „Er lernt in der Unterscheidung der Geister, worauf es wirklich ankommt, was Demut, Liebe und Geduld eigentlich sind, und ein Gespür für Gottes Willen zu entwickeln“, betonte der Bischof.


Völlig neue Wege der Kirche

In der schweren Stunde des Abschieds gelte es, „im Sinne des heiligen Ignatius, in der Kraft der Unterscheidung der Geister und in der Annahme dieser Wirklichkeit und Liebe zu ihr das Bild des Weges der Kirche zu erkennen“, so Overbeck. Es gehe darum, nicht den Blick zurück zu richten, sondern nach vorne. Darin ein Gespür für den Willen Gottes zu erkennen, sei eine große Herausforderung. Die Wege der Kirche in den Bistümern, Pfarreien, Orden, geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen würden „nicht nur bescheidenere Wege, sondern völlig neue und andere werden“. Die heutige Kirche dürfe nicht von Misstrauen, Hoffnungslosigkeit und Egoismus geprägt sein. „Es geht um Demut. Liebe, Geduld und auch um Glaube, Hoffnung, Liebe und Freude“, betonte der Bischof. Bei allem gehe es immer allein um Gott. Der Glaube sei sein Geschenk.

Was der Orden jetzt in Essen nicht mehr leisten könne, „das können wir weiterführen in einem Leben in der Unterscheidung der Geister, in einem Leben aus dem Glauben und in einem Leben im Dienst“, ermunterte der Bischof. Dazu gehörten der Dienst für die Armen und der Einsatz für mehr Gerechtigkeit. Auch der Ordensgründer Ignatius sei zu den Prostituierten, Kranken, Alten und Hungernden gegangen. Sein Engagement für die Jugend sei groß gewesen. Der Plan des Bistums Essen, in St. Ignatius einen Ort der Jugendseelsorge zu schaffen, entspreche dem Geist des heiligen Ignatius und der Jesuiten.

„Ich danke den Jesuiten, allen Patres und Brüdern für ihre Präsenz und ihr Wirken in Essen durch die Jahrhunderte“, schloss Overbeck. Er rief dazu auf, „mit einem lebendigen Glauben Kirche auf eine ganz neue Art zu sein“. (do)


Predigt von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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