Auf das Wirken Gottes vertrauen

Das Bistum Essen hat wieder einen Bischof. Dr. Franz-Josef Overbeck wurde jetzt in einem festlichen Gottesdienst im Essener Dom von Kardinal Joachim Meisner in sein Amt eingeführt.

Franz-Josef Overbeck als Bischof von Essen eingeführt

Der neue Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck (45), ist am Sonntag, 20. Dezember, im Essener Dom feierlich in sein Amt eingeführt worden. Er ist Nachfolger von Bischof Felix Genn, der seit Ende März das Bistum Münster leitet. „Wir freuen uns über Dich als neuen Bischof im Ruhrbistum“, sagte Diözesanadministrator Weihbischof Franz Vorrath in seiner Begrüßung. Das noch junge Ruhrbistum bekomme einen jungen Bischof. „Wir sind uns sicher, dass wir gemeinsam mit Dir die Herausforderungen, vor denen das Bistum und die Region stehen, aus der Kraft des Glaubens bewältigen werden“, so Vorrath. Die Türen stünden dem neuen Bischof offen, „die Herzen noch mehr“.

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, überreichte dem vierten Bischof von Essen die Ernennungsurkunde des Papstes. „Nehmen Sie die Verantwortung auf Ihre jungen Schultern, die Kirche von Essen zu leiten, zu begleiten und zu schützen“, sagte der Nuntius. Bischof Overbeck möge „die Hoffnung und Kraft von Gott her schöpfen, um sein Werk im Ruhrbistum weiter zu führen“. Ausdrücklich dankte der Erzbischof dem Diözesanadministrator, Weihbischof Franz Vorrath, für die Leitung des Bistums in den vergangenen neun Monaten.

Kardinal Joachim Meisner, Metropolit der Kölner Kirchenprovinz, übergab Bischof Overbeck den Hirtenstab und geleitete ihn zum Bischofsstuhl. Die Einführung eines Bischofs sei etwas anderes als die Übernahme einer Bank oder eines Konzerns durch einen neuen Direktor oder Vorstandsvorsitzenden. „Hier handelt es sich um einen zutiefst biblisch geistlichen Vorgang“, so der Kardinal. Der Bischof sei nicht in erster Linie der Chef eines Bistums, „sondern er ist das sakramentale Zeichen, dass die Diözese Essen in lebendiger Kontinuität mit dem apostolischen Anfang verbunden ist und damit in Christus ist“, betonte Meisner bei der Feier, an der Bischöfe aus dem In- und Ausland sowie Vertreter aus Politik, Kirchen und Gesellschaft teilnahmen.

In seiner Predigt betonte Bischof Overbeck, dass er „gerne und voller Erwartung“ den Weg des Glaubens im Ruhrbistum weiter gehen wolle. Er erinnerte an die Gottesmutter Maria, die sich voller Vertrauen dem Neuanfang Gottes gestellt habe. „Lassen Sie uns wie Maria unverzagt und unbeirrbar den Verheißungen Gottes trauen! Lassen wir Gott in unserem Leben neu beginnen, und werden wir nicht müde, seinen Willen zu tun“, so Overbeck. Diese adventliche Glaubenshaltung könne der Kirche von Essen helfen, erst recht in schweren, von Umbrüchen gekennzeichneten Zeiten.  Weiterhin auf das Wirken Gottes zu vertrauen und auch anderen „etwas von der Schönheit und Kraft Gottes“ zu vermitteln, dazu rief der Bischof auf.

Konkrete Aufträge für Christen

„Ruhrbischof“ werde er genannt. Das sei eine Herausforderung und zugleich eine Platzanweisung. „Es geht der Kirche von Essen um alle Menschen in der Region, in der wir leben“, betonte Overbeck. Das Ruhrgebiet zeige wie in einem Brennglas viele soziale und wirtschaftliche Probleme. Für Christen ergäben sich daraus konkrete Aufträge. Hier nannte Overbeck das „Gebot der Solidarität in unserem Wirtschaftssystem“. Im Konflikt zwischen Arbeit und Kapital seien Christen verpflichtet, deutlich für die Würde des Menschen einzutreten. „Die Menschen haben ein Recht auf verlässliche Arbeitsplätze, damit sie ihr Leben in Freiheit gestalten können“, mahnte der Bischof. Ein weiterer Auftrag sei die Sicherstellung der Bildung für junge Menschen. „Wir müssen ihnen eine Chance zur Ausbildung geben und sie begleiten.“ Auch gelte es, die Familie „als Keimzelle der Gesellschaft“ zu schützen und zu fördern. Eine weiterer Auftrag bestehe im Zusammenleben aller Menschen im Ruhrbistum. Viele Menschen verschiedener Religionen und Glaubensüberzeugungen lebten in dieser Region.  So zu leben, dass Menschen sich eingeladen fühlen, das gehöre zum Auftrag der Christen. Der Bischof lud dazu ein, „mit der Kirche in Kontakt zu treten und sich Gott zu öffnen“.

Dass Overbeck als neuer Ruhrbischof „der richtige Mann am richtigen Ort“ sei, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch,  in seinem Grußwort am Ende des Festgottesdienstes. Er wünschte dem Bischof einen „klaren Blick“ auf dem neuen Weg im Bistum Essen. „Du zählst zu denen, die optimistisch und realistisch sind“, so Zollitsch.


Den Menschen Sicherheit geben

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers (CDU) gratulierte dem neuen Ruhrbischof und wünschte ihm „Gesundheit, ein festes, frohes Herz und vor allem Gottes Segen“. Overbeck werde nun das „reichste Bistum zumindest an Vielfalt und Buntheit“ anvertraut.

Der Ministerpräsident erinnerte an die Aussage des neuen Bischofs, dass die Freiheit der Gleichheit vorzuziehen sei. Rüttgers: „Denn wo wir glauben, den Staat immer menschlicher zu machen – da verstaatlichen wir nur zu oft den Menschen.“ Deshalb wolle er den Bischof ermutigen, der Freiheit das Wort zu reden. In seinem Grußwort sprach der Ministerpräsident auch von den Zukunftssorgen vieler Menschen. „Staat und Kirche haben hier eine gemeinsame Aufgabe. Wir müssen den Menschen Sicherheit geben“, so Rüttgers, „wir brauchen das Vertraute, das Bewährte.“ Nur wer sich sicher wisse, fühle sich auch frei. „Ich bin froh, dass das Ruhrbistum in Bischof Overbeck einen Hirten bekommt, der genau das vermitteln kann", “betonte Rüttgers. Er ermutigte den neuen Bischof, sich aktiv in Gesellschaft einzumischen: „Mahnen Sie uns, wenn die Welt aus den Fugen gerät, wenn die Maßstäbe verrücken, wenn der Mensch nicht mehr im Mittelpunkt steht. Mahnen Sie uns, dass wir fest werden in dem, was Bestand hat.“

Er sei bewegt und sich bewusst, als neuer Bischof von Essen „in einer langen Spur des Glaubens“ gehen zu dürfen, sagte Bischof Overbeck am Ende des festlichen Gottesdienstes. Er dankte Papst Benedikt XVI. für die Ernennung zum Bischof und dem Essener Domkapitel, das ihn gewählt habe. Sein Dank galt Diözesanadministrator Vorrath, seinen Vorgängern auf dem Bischofsstuhl von Essen, dem früheren Bischof von Münster, Dr. Reinhard Lettmann, und allen, die Overbeck in seinem Heimatbistum begleitet haben. Und natürlich dankte er seiner Familie „für alle Begleitung, Herausforderung, Liebe und Zuneigung“. Und Bischof Overbeck rief allen ein herzliches „Glück auf!“ zu. (do)

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