An Weihnachten geschieht das Unerwartete

Nichts dem Zufall überlassen. Menschen lieben das Gewohnte, die Routine, planen gerne, tun sich schwer mit unerwarteten Ereignissen. Dass jedoch an Weihnachten mit der Geburt Jesu gerade das Unerwartete geschehen ist, machte Weihbischhof Franz Vorrath im Festgottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag im Essener Dom deutlich.


Predigt von Weihbischof Franz Vorrath im Essener Dom

Menschen tun sich nach Ansicht des Essener Weihbischofs Franz Vorrath schwer mit überraschenden, unerwarteten, nicht geplanten Ereignissen, die die Routine stören. „Das Außer-Gewöhnliche hat, wie es scheint, keinen Platz in unserem täglichen Leben“, so Vorrath im Festgottesdienst am ersten Weihnachtsfeiertag im Essener Dom. Der Slogan „Erwarte das Unerwartete“ mag zwar als Werbebotschaft gut sein, doch im Alltag sei das Unerwartete eher eine Plage, die man möglichst zu vermeiden suche. Das zeige sich auch beim Weihnachtsfest, das von langer Hand vorbereitet werde, wo nichts dem Zufall überlassen werde. „Das signalisieren uns ja schon Wochen vorher die Vorbereitungsrituale des Handels“, meinte der Weihbischof.

Doch mit Planung, Routine und Gewohntem habe die Weihnachtsbotschaft in ihrem Kern wenig zu tun. „Im Gegenteil: Das Unerwartete und Ungeahnte geschieht, und auch nicht dort, wo es jeder erwartet hätte“, betonte Vorrath. Die Geburt Jesu, die Menschwerdung Gottes, sei in einem Stall in Bethlehem geschehen, weil woanders kein Platz war, die Türen der Herberge verschlossen geblieben seien. Die Erzählungen von der Geburt Jesu, die an Weihnachten gefeiert werde, „stoßen uns auf diese unbequeme Wahrheit: Gott hat es schwer, in dieser Welt anzukommen“, betonte der Weihbischof. Gott komme – so scheint es – immer dort, wo ihn die Wenigsten erwarten würden.

Gerade an Weihnachten sei die Sehnsucht nach Geborgenheit, Liebe und Frieden besonders groß. Gerade an Weihnachten  - so Vorrath - fragten sich nicht wenige Menschen, warum das eigene Leben so schwer sei, warum Träume, Wünsche und Ideale so wirklichkeitsfern seien und Erwartungen sich nicht erfüllten. „Die Geburt des Gottessohnes in dieser Welt bildet hier keine Ausnahme. Denn auch er muss seinen Weg finden jenseits menschlicher Erwartungen“, betonte der Weihbischof. Für Jesus sei kein Platz in der Herberge gewesen, für seine Botschaft, die er verkündete,  habe es kaum Raum gegeben und am Ende habe man ihn zwischen zwei Verbrechern ans Kreuz genagelt.

„Noch immer sucht dieser Jesus von Nazareth für seine Botschaft vom Frieden unter den Menschen Unterkunft und Heimat“, so der Weihbischof. Noch immer falle es den Menschen schwer, sich dem Unerwarteten und Unverhofften zu öffnen und darin „Gottes Wirken“ zu sehen. Doch Jesus habe auf seinem Weg „Liebe entfacht und Neues bewirkt, immer wieder Menschen berührt, sich einen Platz in ihre Herzen gebahnt“, daran erinnerte Vorrath. Seitdem habe es in der Welt immer Menschen gegeben, die „die tätige Liebe leben, sich dem Nächsten zuwenden und Verzweifelten Hoffnung geben“. Ohne solche Menschen wäre die Welt viel ärmer. (do)


Predigt von Weihbischof Franz Vorrath   

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