von Thomas Rünker

Adveniat kann Einnahmen leicht steigern

Katholisches Lateinamerika-Hilfswerk in Essen stellt Jahresbilanz vor. 2014/2015 wurden rund 2900 Projekte mit insgesamt 47 Millionen Euro gefördert. Bischof Overbeck: „Adveniat gilt den Menschen in Lateinamerika als verlässlicher Partner“

Bischof Overbeck gedenkt der Opfer des Erdbebens in Equador

Mit 47 Millionen Euro hat das Hilfswerk Adveniat im Geschäftsjahr 2014/2015 rund 2900 Projekte in Lateinamerika und der Karibik unterstützt. Zudem konnten entgegen dem langjährigen Trend die Einnahmen auf insgesamt 48,9 Millionen Euro gesteigert werden. Diese Zahlen haben die Verantwortlichen des katholischen Hilfswerkes am Donnerstag in Essen auf der Bilanzpressekonferenz bekannt gegeben. Kurz nach der Rückkehr von seiner Reise nach Kuba und Ecuador berichtete der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission Adveniat, Bischof Franz-Josef Overbeck, dass er bei seinen Begegnungen immer wieder erfahren habe, wie sehr die Arbeit des Lateinamerika-Hilfswerks geschätzt werde. „Adveniat gilt den Menschen in Lateinamerika als verlässlicher Partner, der sich an der Seite der Armen und Ausgeschlossenen für eine gerechte Zukunft für alle einsetzt.“

In Kuba komme der katholischen Kirche die Aufgabe zu, die Menschen in der jetzigen gesellschaftlichen Situation zu begleiten und ihnen angesichts der Veränderungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. „Die Arbeit der Kirche wird von allen Bereichen der kubanischen Gesellschaft anerkannt“, erklärte Adveniat-Bischof Overbeck. „Meine Gedanken sind derzeit besonders bei den Menschen in Ecuador, bei den Angehörigen der Opfer des Erdbebens, das eine Woche nach meinem Aufenthalt die westlichen Regionen des Landes getroffen hat.“

Adveniat-Partner hilft in Erdbebenregion Equadors

Dank des langfristigen Engagements von Adveniat in Ecuador ist auch Solidarität innerhalb des Landes möglich. „Unser Projektpartner in Guayaquil ‚Hogar de Cristo‘ – zu Deutsch ‚Christi Zuhause‘ – baut für Obdachlose in der Erdbebenregion bis zu 3000 Bambushäuser“, erklärte Adveniat-Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka. Dies sei die Frucht der von Adveniat verfolgten Strategie, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Wir waren dank der Solidarität unserer Spenderinnen und Spender schon vor der Katastrophe da und werden auch noch an der Seite der Armen stehen, wenn die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit sich wieder abwendet“, so Klaschka.

Langer Atem im kolumbianischen Versöhnungsprozess

Einen langen Atem beweist Adveniat auch bei der Unterstützung der Nationalen Versöhnungskommission in Kolumbien. Diese Einrichtung der Kolumbianischen Bischofskonferenz hat die Opfer zu den Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der FARC, der größten Rebellengruppe des Landes, begleitet. „Wir werden die Weihnachtsaktion 2015 'Frieden jetzt! Gerechtigkeit schafft Zukunft' zu einer dauerhaften Unterstützungskampagne ausweiten“, kündigte Klaschka an. Die Armen sind es, die am stärksten unter der Gewalt, aber auch unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden. Mit dem Jahresthema 2016 „Bedrohte Schöpfung – bedrohte Völker“ mache Adveniat darauf aufmerksam, dass ein Leben auf Kosten der Umwelt immer auch ein Leben auf Kosten der ursprünglichen Völker im Amazonasgebiet ist, die derzeit unter einer nicht gekannten Dürre leiden. „Mit dem Panamazonischen Netzwerk REPAM, an dem sich Adveniat beteiligt, wollen die Länder im Amazonasraum die Forderungen der Enzyklika „Laudato si'“ von Papst Franziskus umsetzen“, sagte Prälat Klaschka. Ziel sei es, dass die indigenen Völker Protagonisten ihrer Kultur, ihrer Zukunft, ihres Lebens und ihres Glaubens würden.

Rückgang bei Kollekteneinnahmen, Höchststand bei Einzelspenden

Auf 48,9 Millionen Euro hätten sich im vergangenen Geschäftsjahr 2014/2015 die Einnahmen aus Kollekten, Spenden und weiteren Erträgen belaufen, sagte Adveniat-Geschäftsführer Stephan Jentgens – im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Anstieg um etwa 100.000 Euro. Die Einnahmen aus der Weihnachtskollekte seien 2014 zwar auf 27,4 Millionen Euro (2013: 28,2 Millionen Euro) gesunken. Einen Rückgang habe es auch bei den 2,3 Millionen Euro umfassenden Nachlässen gegeben. Der Höchststand bei den Einzelspenden in Höhe von 10,9 Millionen Euro (2013: 8,8 Millionen Euro), die Steigerungen bei der Priesterpatenschaftsaktion auf 2,6 Millionen Euro, bei Zins- und Fondserträge sowie Beteiligungen auf 1,4 Millionen Euro und der sonstigen Spendeneinnahmen auf 5,5 Millionen Euro konnten diese Rückgänge jedoch mehr als ausgleichen. Hinzu kamen Zuwendungen des Verbandes der Diözesen Deutschlands in Höhe von 1,5 Millionen Euro. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) habe Adveniat erneut das Spenden-Siegel zuerkannt, sagte Jentgens. Adveniat habe im vergangenen Geschäftsjahr 2923 Projekte mit knapp 47,7 Millionen Euro in Süd- und Mittelamerika sowie der Karibik gefördert. „Adveniat konnte alle Mittel, die im Vorjahr nicht veranlagt wurden, sämtlich und wie geplant an die Projektpartner weitergeben“, erklärte Jentgens diese deutliche Steigerung im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr.

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