720.000 Mal zum Hörer gegriffen

Gut 720.000 Mal haben die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen seit 1974 zum Hörer gegriffen. Betrug die Zahl der Anrufenden vor 40 Jahren 8.000, sind es heute rund 20.000 Menschen, die sich jährlich an die Telefonseelsorge wenden. Sie suchen aufgrund von Nöten, Sorgen, Existenzängsten und Lebenskrisen Rat und Hilfe.



40 Jahre Ökumenische Telefonseelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen

Seit 40 Jahren gibt es jetzt die Telefonseelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen. Sie wurde 1974 als ein Gemeinschaftswerk der Evangelischen und Katholischen Kirchen aus den drei beteiligten Städten gegründet. Derzeit halten 120 Ehrenamtliche, begleitet von zwei Fachkräften, einer Sekretariatskraft und acht nebenamtlichen Leiterinnen und Leitern von Supervisionsgruppen den 24-Stunden-Dienst aufrecht.

Die Einrichtung, die nach englischen Vorbild (Motto: ,,Bevor Sie sich umbringen, rufen Sie mich an") errichtet wurde, ist eine Erfolgsgeschichte, denn die Zahl der Anrufer ist von 8.000 auf jetzt 20.000 im Jahr angewachsen. Den Grund nennt Olaf Meier, Leiter der Telefonseelsorge: „Wir haben hier ein niederschwelliges Angebot geschaffen, das sehr gut angenommen wird.” Die Nöte, die Sorgen, die Existenzängste lassen viele Menschen zum Hörer greifen, um die Gratis-Nummer 0800-1110111 bzw. 0800-1110222 zu wählen. Die Anrufer wie auch die Seelsorgerin oder Seelsorger bleiben anonym. Gespräche kommen so leichter zum Kern, zu Fragen um Einsamkeit, Beziehungen, Krankheit wie auch zum Lebenssinn.
 
Dreimal im Monat leisten die Ehrenamtlichen einen vierstündigen Telefondienst und nehmen monatlich an einer Supervision teil. Schwerpunktthemen eintägiger und mehrtägiger Fortbildungen waren im letzten Jahr „Umgang mit Aggression am Telefon“, „Spuren der Herkunftsfamilie“ oder „Begegnung mit psychisch hochsensiblen Anrufenden“.

Olaf Meier erläutert Voraussetzungen für die Mitarbeit: „Wir suchen Mitarbeitende, die Lebenserfahrung haben, interessiert sind am Schicksaal anderer, Einfühlungsgabe mitbringen.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  leisteten ihren Dienst mit hoher Verbindlichkeit und Selbstverpflichtung. Aber sie profitierten auch für sich selbst von den Erfahrungen am Telefon, so Meier. „Das persönliche Wachstum ist für eine langfristige Motivation viel entscheidender als die Frage, was man in Gesprächen erreicht. Man kann nicht nur vom Erfolg motiviert sein“, erklärt Meier. In 40 Jahren haben 550 Mitarbeitende - im Schnitt arbeiten sie zehn Jahre lang mit - 720.000 Anrufe entgegengenommen (seit 1998 geht es auch per Email über www.telefonseelsorge-duisburg.de).


Seit 1986 Krisenbegleitung für Suizidgefährdete

Jeden zweiten Tag erhält die Telefonseelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen Anrufe zum Thema Suizidalität. Mit der Krisenbegleitung bietet die Einrichtung seit 1986 ein Gesprächsangebot für Menschen in Lebenskrisen. Sie entstand aus der Erkenntnis heraus, dass es für suizidgefährdete Menschen kaum Gesprächs- und Beratungsmöglichkeiten gab, in denen die Betroffenen ihre Probleme äußern und mit einem Menschen an ihrer Seite nach neuen Perspektiven für ihre Zukunft suchen konnten. Die Telefonseelsorge, die sonst anonym arbeitet, bot sich als Träger für ein direktes Gesprächs- und Begleitangebot in Lebenskrisen an. 2651 Anfragen gab es seit der Gründung der Krisenbegleitung. Von den 100 bis 130 Menschen, mit denen die Krisenbegleitung jährlich in Kontakt kommt, braucht rund die Hälfte eine Begleitung. Bei etwa 50 Prozent der Anrufer haben sich scheinbar unlösbare Schwierigkeiten wie Beziehungsprobleme, schlechte soziale Lage, Einsamkeit, Isolation zu suizidalen Gedanken verdichtet.

Leiterin Rosemarie Schettler führt die Erstgespräche mit Anrufern, um herauszufinden, ob die Krisenbegleitung der richtige Ansprechpartner ist oder ob man an andere Einrichtungen verweisen oder zu professioneller Hilfe raten sollte. Im Durchschnitt sind sieben TS-Mitarbeiter in der Krisenbegleitung tätig. Aus den Reihen der ehrenamtlichen Telefonseelsorgemitarbeiter werden kompetente, belastbare und geschulte Menschen ausgewählt, die sich nach zusätzlicher Ausbildung einsetzen lassen, um für eine begrenzte Zeit einen Menschen zu begleiten, der im Moment in einer Sackgasse steckt, sich überfordert fühlt, an Selbsttötung denkt. Dass Krisensituationen entstehen, sei nicht zu verhindern, doch – so Rosemarie Schettler – „die damit verbundene Isolation und Zuspitzung kann durch die Krisenbegleitung immer wieder verhindert oder abgeflacht werden.“ Die Krisenbegleitung ist unter der Telefonnummer 0203/22656 und per E-Mail an KriseDuisburg@TelefonSeelsorge-Duisburg.de zu erreichen.

Finanziert werden Telefonseelsorge und Krisenbegleitung durch die Träger:  die Evangelischen Kirchenkreise Duisburg, Mülheim und Oberhausen, das Bistum Essen und die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Freikirchen Duisburg. Der 1996 gegründete Förderkreis TelefonSeelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen e. V. unterstützt die Einrichtung in jedem Jahr mit etwa 13.000 Euro. Finanziert werden davon die Kosten für die einjährigen Ausbildungskurse neuer ehrenamtlicher Mitarbeitenden, die monatlichen Supervisionsgruppen und die Fortbildungen von Ehrenamtlichen.

Wer spenden oder Mitglied im Förderkreis werden möchte, wendet sich an schriftlich an „Förderkreis TelefonSeelsorge Duisburg Mülheim Oberhausen e. V., Postfach 20 02 51, 47018 Duisburg“ oder findet weitere Infos unter www.telefonseelsorge-duisburg.de/foerderkreis. (rs/do)

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