18. Oktober: Ponferrada – Villafranca del Bierz

Aus dem Leben eines Pilgerstabs


Liebe Leserinnen und Leser, heute muss ich mich einmal zu Wort melden.
Da steht man also seit zweieinhalb Jahren in einer Ecke des Zimmers vor sich hin, erholt sich von den Strapazen einer vergangenen Pilgerreise und gedenkt eigentlich, den Rest seines Pilgerstablebens in Ruhe und Beschaulichkeit zu verbringen… und dann???!!!


Kommt doch mein völlig verrückter Zweibeiner auf die Idee: „Hey Pilgerstab, wir machen uns noch einmal auf den Weg nach Santiago de Compostela!“ – Ja geht´s denn noch? Gibt es nicht neue, viel jüngere und sportlichere Pilgerstäbe als mich? Wieso soll ich mich nochmal quälen lassen??? Mein Zweibeiner spinnt echt völlig und erzählt mir etwas von Tradition und „wir gehören doch zusammen“ – hey, ich bin im RUHESTAND!
Na ja, wie das Pilgerstableben so spielt – jetzt bin ich also wieder „on the road“. Wieder am Handgelenk meines Zweibeiners und wieder begleitet von jeder Menge anderer Zweibeiner mit ihren Pilgerstäben. Die jungen Kollegen also: nachdem sie mich alten Stab am Anfang etwas belächelt haben und ich mir Sprüche wie „Du alter Stab willst bis Santiago kommen?“ anhören musste, verstehen wir uns prima. Die Jungspunde haben mittlerweile gemerkt, dass es oft auch auf Pilgerstabroutine ankommt.


Waren doch viele am Anfang hektisch, wenn ihr Zweibeiner sie mal hatte stehen lassen, konnte ich beruhigen: „Die holen Euch wieder ab!“ – und genauso war es auch. Übrigens muss ich meinen etwas schusseligen Zweibeiner mal loben. Obwohl er Wurst, Käse, die Taschenlampe und beinah sogar seine Geldbörse vergessen hat, hat er mich bis jetzt noch nirgendwo liegen lassen – immerhin!


Kommen wir also zum harten Pilgerstaballtag. Heute hat mein Zweibeiner mich über 24 Kilometer gescheucht. Eigentlich war die Etappe ganz entspannt. Wir sind zwar mal wieder bei ziemlicher Kälte losmarschiert aber gegen Mittag setzte sich die Sonne durch und erwärmet den Pilgertag.


Heute haben wir ziemlich viele kleine Orte passiert und sind dann lange durch wunderschöne Weinanbaugebiete gelaufen. Wieder war der Himmel einfach nur blau und das Panorama gigantisch.


Jetzt hänge ich mit meinen Pilgerstabkollegen in der Pilgerherberge an den Betten und genieße den Feierabend. Morgen will mein Zweibeiner mich über einen der steilsten Anstiege der Pilgerreise treiben – ich erinnere mi: Eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit und vor allem, am Gipfel hat mein Zweibeiner mich schon mal fast liege gelassen – na warte!!!!! Wir werden sehen…


Bis dahin grüßt Euch Euer Pilgerstab

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