von Cordula Spangenberg

Segen trotz Regen

Donner und Wolkenbruch hielten die Ludgerus-Prozession in Essen-Werden im Kirchenraum fest. Das als abschließende Diözesan-Wallfahrt im „Heiligen Jahr der Barmherzigkeit“ geplante Kirchenfest wurde dennoch von vielen hundert Gläubigen besucht.

Draußen prasselte der Regen, während drinnen gefeiert wurde. (Foto: Achim Pohl | Bistum Essen)

Sollte Petrus – wie der Volksmund wissen will – tatsächlich für das Wetter zuständig sein, so hätte er am Sonntag, 4. September, während der Ludgerus-Prozession in Essen-Werden seinen Job nicht richtig ernst genommen. Denn obwohl nach frühmorgendlichem Regen pünktlich um zehn Uhr zu Beginn des Gottesdienstes die Sonne herauskam und Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck schon darauf hoffte, „dass uns der Himmel gewogen ist“, zog sich zumindest der meteorologische Himmel nach der Kommunion so bedrohlich donnernd zu, dass die Gemeinde das Gelübde der Umtragung der Ludgerus-Reliquie lieber in der Basilika vollzog als draußen im Regen – was im Übrigen auch dem altehrwürdigen, mehr als 200 Jahre alten Prozessions-Schrein mit den Gebeinen des Heiligen Liudger wohl besser bekommen ist als eine warme Sommerdusche.

Zum Glück verfügt die katholische Kirche über ein reiches Instrumentarium an Festgebräuchen, um dem Heiligen Liudger dennoch ihren Respekt zu erweisen. Deshalb versammelten sich nach der Messfeier – anstatt auf geschmückten Straßen durch den prasselnden Regen zu ziehen – die anwesenden Priester mit der Gemeinde, der Schützenbruderschaft, der Eucharistischen Ehrengarde und den auswärtigen Gästen im Kirchenraum vor dem Schrein und der Monstranz, in der die geweihte Hostie aufbewahrt wird. Bischof Overbeck schwenkte das Weihrauchfass als aromatisch in der Atemluft hängendes Zeichen der Verehrung, und alle Anwesenden beteten und sangen im Wechsel, bevor sie den besonders festlichen sakramentalen Segen mit der Monstranz empfingen. Das Blasorchester Essen-Werden reduzierte sein für die Prozession vorbereitetes Musikprogramm und spielte zum Auszug ein flott präsentiertes „Tochter Zion“.

Nun ging es am Sonntag zwar auch um Petrus und den meteorologischen Himmel, vor allem aber um ein fast 900 Jahre währendes Versprechen, zu Ehren des Heiligen Liudger eine jährliche Dankwallfahrt abzuhalten: ein Versprechen, dem sich mehrere Hundert Werdener Bürger heute nach wie vor verpflichtet fühlen. Denn die Zeiten sind seither offenbar nicht unbeschwerter geworden. Entsprechend predigte Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck zum Thema „Angst“: Angst vor Veränderungen, vor anderen Religionen und dem Terror, lähmende Angst vor einer neuen Unübersichtlichkeit, die offenbar heute ein Grundgefühl vieler Menschen in Deutschland sei. Mit dieser Angst, so der Bischof, drücke sich aber zugleich die Sehnsucht nach Sicherheit aus, welche nur entstehe, wenn man Gott vertrauen könne: „Menschen haben nämlich die Kraft, Herausforderungen zu meistern, die anfänglich zu überfordern scheinen.“ Eine gute Basis für solchen Veränderungswillen gebe das Stichwort „Barmherzigkeit“, sagte Overbeck: „Barmherzigkeit ist eine soziale und zugleich politische Tugend, nicht nur etwas für fromme Seelen.“ Ein anschauliches Beispiel für diesen vertrauenden Glauben an Gott und dessen Barmherzigkeit sei der heilige Ludgerus, aber ebenso Mutter Teresa, die am Sonntag zur selben Stunde in Rom heiliggesprochen wurde.

Predigt Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck zur Ludgerus-Wallfahrt 2016 

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