Mensch Maria!

„Werde ich es schaffen, dich zu halten, wenn du dich in meine Arme legst?“

Mit diesem Gedanken der schwangeren Maria beginnt das Oratorium „Maria“ von Thomas Gabriel. Was für ein Gegensatz zu dem oft besungenen Bild der „Himmelskönigin“, der „wunderschön Prächtigen“,  die zwar beim Tod ihres Sohnes Schmerz empfinden darf („Christi Mutter stand mit Schmerzen“), aber in der Volksfrömmigkeit zumeist glorifiziert wird.

Das Marienbild des Oratoriums ist hingegen ein zutiefst menschliches: Selbstzweifel, Gerüchte, Mobbing bezogen auf das ehelose Kind und sein von der Norm abweichendes Verhalten. Und eine Mutter, die dennoch Ja sagt zu ihrem Sohn, die ihn begleitet, annimmt und nie aufgibt, ihn zu unterstützen, getragen von der Mutterliebe bis über den Tod hinaus. Diese Maria fasziniert mich, ist uns Menschen nah, sagt Ja zu ihrer Lebensaufgabe und gehört deshalb auch fest zu meinem Glauben.

Epilog des Oratoriums "Maria" von Thomas Gabriel zum Nachhören

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Bischöflicher Beauftrager für Kirchenmusik

Stefan Glaser

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