Wir sind wieder angekommen, hier in Essen. Jet-lag und andere Anpassungsschwierigkeiten sind mehr oder weniger überwunden. Und alle sind immer noch voll mit den Eindrücken der Reise.
An unserem letzten Tag in Chicago waren wir bei Dan Gast und Marc Bersano vom Institute of Pastoral Studies der Loyola University eingeladen.
Beide begleiten das Projekt CrossingOver von Anfang an und kennen sich sowohl in der katholischen Kirche in den USA wie auch in Deutschland aus.
Dan Gast und Marc Bersano luden uns ein, die Eindrücke zu sortieren und 5 verschiedene „Koffer“ zu packen:
Was finde ich an der katholischen Kirche in Chicago attraktiv?
Was hat mich überrascht?
Was ist „zu amerikanisch“?
Was könnten wir bei uns ausprobieren?
Was ist uns noch unklar geblieben?
In den „attraktiven Koffer“ wurden folgende Dinge gepackt: die Gastfreundschaft, die wir erfahren haben; die Offenheit und die positive Einstellung den Dingen gegenüber. Beeindruckt hat uns die Haltung, dass wir als Besucher wichtig waren. „Wir fühlen uns geehrt, dass Sie uns besuchen.“ Ob uns das so leicht über die Lippen käme?
Und: Amerikaner scheinen „risikofreundlich“ zu sein, sie packen Dinge an, sind pragmatisch und reden nicht lange um den heißen Brei herum.
Sie fühlen sich in einem viel höheren Maß für ihre Gemeinde verantwortlich.
Überrascht hat uns, wie selbstverständlich das freie Gebet bei vielen verschiedenen Anlässen ist. Wie sehr man auf Transparenz bei den Gemeindefinanzen bedacht ist. „Sunday matters“ – auf den Sonntag kommt es an. Hier versammelt sich die Gemeinde, und so wird auch auf eine gut vorbereitete Liturgie Wert gelegt. Dan Gast erklärte uns, dass die amerikanischen Katholiken ihre Gottesdienste recht genau nach den römischen Vorgaben feiern, ihre Kreativität jedoch in einer vielfältigen musikalischen Gestaltung ausleben. Chöre, Kantoren, Instrumentalisten gehören zum Repertoire vieler Sonntagsgottesdienste. Deutsche Katholiken drücken ihre Kreativität eher dadurch aus, indem sie Teile der Messe verändern und experimentieren.
„Zu amerikanisch!“ Amerikaner sind oberflächlich (so sagt man), sie kommen zwar schnell zu Lösungen, denen aber oft das gründliche Nachdenken fehlt. Und sie wechseln leichter und häufiger die Konfession. Diese „Shoppingmentalität“, auch was den Glauben angeht, ist für uns doch eher befremdlich.
Was können wir ausprobieren? Das freie Gebet, die sorgfältige Vorbereitung der Liturgie, die Transparenz unserer Kirchenfinanzen, die Gastfreundschaft.
Verunsichert hat manchen in der Gruppe die hohe Bereitschaft, auch in der Öffentlichkeit ein persönliches Glaubenszeugnis abzugeben. Auch wenn amerikanische Katholiken hierbei bodenständiger sind als z.B. Angehörige von Glaubensgemeinschaften wie Willow Creek, so tun wir uns in der Wahrnehmung solcher Glaubenszeugnisse schwer. Ist das aufgesetzt? Gespielt? Zu dick aufgetragen?
Und auch die sorgfältig geplante Liturgie (oft sogar Monate im Voraus) löst ambivalente Gefühle in der Gruppe aus. Geht da nicht Spontaneität verloren? Muss alles mit genauen Regieanweisungen versehen sein? Auf der anderen Seite: man hat den Eindruck, dass jeder genau seine Rolle im liturgischen Spiel kennt und sie mit großer Ruhe und Würde ausfüllt.
Mit diesen Koffern und mit manchen anderen Dingen, die im „Handgepäck“ verstaut wurden, machten wir uns auf die Reise zurück nach Essen. Gefüllt, bereichert, dankbar. Wir durften eine faszinierende Stadt erleben, die sich uns in diesen Tagen auch von einer besonders schönen Seite gezeigt hat. Wir durften erleben, wie lebendig unser Glaube gelebt werden kann.
Ein (frei formuliertes) Gebet eines Teilnehmers drückt diese Dankbarkeit und die Hoffnung aus, dass es nicht nur bei einer schönen Reise bleiben möge:
Guter Gott, wir danken dir für die vergangenen Tage, in denen Du uns mit vielen für uns neuen und beeindruckenden Erlebnissen beschenkt hast. Wir durften Menschen in ihren Gemeinden kennen lernen, die uns ihre Gastfreundschaft gegeben und uns häufig mit ihrer tiefen Religiosität und Kreativität überzeugt haben. Begleite uns auf dem bevorstehenden Heimweg und hilf uns, die Erlebnisse der Studienfahrt zu verarbeiten, um dann die richtigen Schlüsse für die Arbeit in unseren Gemeinden zu finden. Dazu segne uns der gütige Gott.
























