Wieder angekommen!?

Wir sind wieder angekommen, hier in Essen. Jet-lag und andere Anpassungsschwierigkeiten sind mehr oder weniger überwunden. Und alle sind immer noch voll mit den Eindrücken der Reise.
An unserem letzten Tag in Chicago waren wir bei Dan Gast und Marc Bersano vom Institute of Pastoral Studies der Loyola University eingeladen. Beide begleiten das Projekt CrossingOver von Anfang an und kennen sich sowohl in der katholischen Kirche in den USA wie auch in Deutschland aus.
Dan Gast und Marc Bersano luden uns ein, die Eindrücke zu sortieren und 5 verschiedene „Koffer“ zu packen:
Was finde ich an der katholischen Kirche in Chicago attraktiv?
Was hat mich überrascht?
Was ist „zu amerikanisch“?
Was könnten wir bei uns ausprobieren?
Was ist uns noch unklar geblieben?

In den „attraktiven Koffer“ wurden folgende Dinge gepackt: die Gastfreundschaft, die wir erfahren haben; die Offenheit und die positive Einstellung den Dingen gegenüber. Beeindruckt hat uns die Haltung, dass wir als Besucher wichtig waren. „Wir fühlen uns geehrt, dass Sie uns besuchen.“ Ob uns das so leicht über die Lippen käme?
Und: Amerikaner scheinen „risikofreundlich“ zu sein, sie packen Dinge an, sind pragmatisch und reden nicht lange um den heißen Brei herum.
Sie fühlen sich in einem viel höheren Maß für ihre Gemeinde verantwortlich.

Überrascht hat uns, wie selbstverständlich das freie Gebet bei vielen verschiedenen Anlässen ist. Wie sehr man auf Transparenz bei den Gemeindefinanzen bedacht ist. „Sunday matters“ – auf den Sonntag kommt es an. Hier versammelt sich die Gemeinde, und so wird auch auf eine gut vorbereitete Liturgie Wert gelegt. Dan Gast erklärte uns, dass die amerikanischen Katholiken ihre Gottesdienste recht genau nach den römischen Vorgaben feiern, ihre Kreativität jedoch in einer vielfältigen musikalischen Gestaltung ausleben. Chöre, Kantoren, Instrumentalisten gehören zum Repertoire vieler Sonntagsgottesdienste. Deutsche Katholiken drücken ihre Kreativität eher dadurch aus, indem sie Teile der Messe verändern und experimentieren.

„Zu amerikanisch!“ Amerikaner sind oberflächlich (so sagt man), sie kommen zwar schnell zu Lösungen, denen aber oft das gründliche Nachdenken fehlt. Und sie wechseln leichter und häufiger die Konfession. Diese „Shoppingmentalität“, auch was den Glauben angeht, ist für uns doch eher befremdlich.

Was können wir ausprobieren? Das freie Gebet, die sorgfältige Vorbereitung der Liturgie, die Transparenz unserer Kirchenfinanzen, die Gastfreundschaft.

Verunsichert hat manchen in der Gruppe die hohe Bereitschaft, auch in der Öffentlichkeit ein persönliches Glaubenszeugnis abzugeben. Auch wenn amerikanische Katholiken hierbei bodenständiger sind als z.B. Angehörige von Glaubensgemeinschaften wie Willow Creek, so tun wir uns in der Wahrnehmung solcher Glaubenszeugnisse schwer. Ist das aufgesetzt? Gespielt? Zu dick aufgetragen?
Und auch die sorgfältig geplante Liturgie (oft sogar Monate im Voraus) löst ambivalente Gefühle in der Gruppe aus. Geht da nicht Spontaneität verloren? Muss alles mit genauen Regieanweisungen versehen sein? Auf der anderen Seite: man hat den Eindruck, dass jeder genau seine Rolle im liturgischen Spiel kennt und sie mit großer Ruhe und Würde ausfüllt.

Mit diesen Koffern und mit manchen anderen Dingen, die im „Handgepäck“ verstaut wurden, machten wir uns auf die Reise zurück nach Essen. Gefüllt, bereichert, dankbar. Wir durften eine faszinierende Stadt erleben, die sich uns in diesen Tagen auch von einer besonders schönen Seite gezeigt hat. Wir durften erleben, wie lebendig unser Glaube gelebt werden kann.

Ein (frei formuliertes) Gebet eines Teilnehmers drückt diese Dankbarkeit und die Hoffnung aus, dass es nicht nur bei einer schönen Reise bleiben möge:

Guter Gott, wir danken dir für die vergangenen Tage, in denen Du uns mit vielen für uns neuen und beeindruckenden Erlebnissen beschenkt hast. Wir durften Menschen in ihren Gemeinden kennen lernen, die uns ihre Gastfreundschaft gegeben und uns häufig mit ihrer tiefen Religiosität und Kreativität überzeugt haben. Begleite uns auf dem bevorstehenden Heimweg und hilf uns, die Erlebnisse der Studienfahrt zu verarbeiten, um dann die richtigen Schlüsse für die Arbeit in unseren Gemeinden zu finden. Dazu segne uns der gütige Gott.

Liturgie spricht fuer sich selbst!

St. Clement 1. November 2011, Allerheiligen

Am Vormittag gingen wir zur St. Clementgemeinde, fusslaeufig zwei Blocks vom Cenacle Center entfernt. Dort trafen wir uns mit Gabriel Mayhugh, dem Director of worship und drei weiteren hauptamtlichen Mitarbeitern der Gemeinde.

Wir besichtigten die Kirche und die dazugehoerigen Raeumlichkeiten  von St Clement. Die Kirche ist im byzantinisch-romanischem Stil erbaut und ausgemalt und besitzt eine Unterkirche. Am Wochenende finden sechs Messen statt, eine Vorabendmesse, vier am Sonntagmorgen, eine am Sonntagabend.Sonntags um 9:30h finden zwei Messen gleichzeitig statt, eine in der Ober-, eine in der Unterkirche. All diese Messen sind in ihrem Musikstil abgestimmt auf die mehrheitliche Altersgruppe der Gottesdienstbesucher in der Auswahl der Lieder, der  Instrumente, des Chores. So ist die Sonntagabendmesse abgestimmt auf junge Erwachsene. Gleich nach der Firmung uebernehmen uebrigens die Jugendlichen den Lektoren- und Kommunionhelferdienst in dieser Messe. In allen Sonntagsmessen singt ein Chor, waehrend des Kommunionganges singt ein Kantor einen Psalm und die Gemeinde einen Antwortvers, der inhaltlich mit dem Kommunionempfang korrespondiert.

Noch zwei Besonderheiten in dieser Gemeinde:

In den Familien wird mit den Kindern gemeinsam das eucharistische Brot gebacken, etwa 15 cm grosse Fladen.

Einmal im Monat findet ein kontemplativer Bussgottesdienst statt mit Taize – Liedern. Danach ist Gelegenheit zur persoenlichen Beichte; fuer die etwa 70 Gottesdienstbesucher stehen 5 – 6 Priester zur Verfuegung. Der Gottesdienst kann so durchaus 3 Stunden dauern und waehrend der gesamten Zeit werden Taize – Lieder gesungen.

Zwei Saetze aus dem Programm der Gemeinde haben uns besonders beeindruckt: “Liturgie spricht fuer sich selbst!”  und   “Musik preist Gott. Musik kann Gott genauso gut oder noch besser preisen als die Kirche als Gebaeude oder besser als die Dekoration; die Musik ist der Kirche groesster Schmuck!”

Nachmittags stand noch der Besuch der Kirche Sacred Heart in Winnetka auf unserem Programm, in der Father Bob Heidenreich uns als Pastor der Gemeinde begruesste.

Die Kirche selbst war eher schlicht und nicht so gross. Um so groesser war wieder einmal die herzliche Aufnahme. Wir wurden zum Dinner eingeladen und bekamen u. a. Kartoffelsalat, Grillbratwurst und Kraut serviert. Danach besuchten wir die Abendmesse , denn heute ist ja Allerheiligen ( in Amerika allerdings kein Feiertag). Anschliessend durften wir bei einer Gemeinderatssitzung hospitieren.

So waren wir auch an diesem Tag wieder einmal an den Grenzen unserer Aufnahmefaehigkeit angekommen, als uns unser Bus gegen 22.00h im Cenacle Center absetzte.

 

 

 

Chicago Sightseeing

Heute gab es die Gelegenheit zu einem ausgedehnten Besuch der Stadt – ohne ein spezielles Programm. Sightseeing und Shopping stehen auf dem Plan.

Die Tierwelt im Lincoln Park erreget allgemeines Interesse (“Oh wie süß!”), da sich das abgebildete Grauhörnchen als Mitglied einer Gruppe von mindestens 20 Grauhörnchen entpuppt, die alle eifrig nach Nüssen suchen. Und je länger man hinschaut, desto mehr Hörnchen kommen in Sicht. Also doch nicht so ein Einzelfall in der Tierwelt des urbanen Chicago….

 

Während des Tages verteilt sich die Reisegruppe über die Innenstadt. Man besucht die lokalen Einkaufsstätten auf der Magnificient Mile und State Street, nimmt sich die Zeit für einen Kaffee oder besucht eine der zahlreichen öffentlichen Kultureinrichtungen. Nach den intensiven Erlebnissen der letzten Tage eine gute Möglichkeit zum Relaxen.

Am frühen Abend treffen wir uns zu einer Bootsfahrt auf dem Chicago River und dem Michigan See. Die Nacht ist klar und kalt, und Chicago macht seinem Rufe als “Windy City” alle Ehre. Trotzdem bleiben alle lange an Deck und geniessen die Ansicht der nächtlichen Skyline von Chicago. Die Gebäude mit ihren teils farbigen Lichteffekten und die schiere Größe der Stadt beeindrucken. Ein tolles Erlebnis, bei dem sich die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive präsentiert.

 

 

Beim Mexikaner

 Abends treffen wir uns dann zu einem original mexikanischen Abendessen mit Tortillas, Nachos und argentinischem Rotwein. Die völlig neue Ess- Erfahrung (“Ja, spicy& hot heisst ganz scharf”) macht Spaß und die wortreichen Beschreibungen von den Kellnerinnen Sarah und Beth zu den gereichten Speisen verleihen dem Abend einen echten mexikanisch-amerikanischen Touch. Am Ende sind alle mehr als satt und wir kehren spät am Abend zurück ins Cenacle Center.

It’s about life!

Samstag, 29.10.  und Sonntag 30.10.

Eine Gruppe von 10 Personen fuhr weiter nach Orland Park, einem Stadtteil weit im Sueden Chicagos gelegen. Nach mehreren Tagen inmitten einer pulsierenden Metropole fanden wir uns in einer laendlichen Gegend wieder, nach typisch amerikanischer Art weitlaeufig zersiedelt, in der die meisten Bewohner recht gut situiert zu sein scheinen.
Wir wurden erwartet in St. Francis of Assisi, einer sehr jungen Gemeinde, in der auch Pastor Molitor 2006 die Zeit seines Aufenthaltes im Rahmen von CrossingOver verlebt hatte. Die Kirche wurde 1995 geweiht, das Religious Education Center auf der Anhoehe nebenan, in dem Religionsunterricht erteilt wird, ist 2004 eroeffnet worden.
Father Ed Upton, der Pastor der Gemeinde, bereitete uns zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen einen herzlichen Empfang in diesem Zentrum. Uns alle nahm die Ausstrahlung dieses Ortes gefangen: Schon beim ersten Eintreten schien uns das Gebaeude wohltuend in sich aufzunehmen. Durch viel Glas bezieht es die Natur, den angrenzenden lichten Wald in seine Architektur ein. In der in hellem Holz gehaltenen lichtdurchfluteten Kapelle eroeffnen sich ueberraschende Durchblicke auf die tiefer gelegenen Gemeindekirche. Man spuerte deutlich: Hier geht es um Glauben, um die Schoepfung, kurz: Um das Leben!
Genau dies war das Ziel bei der Planung des Zentrums, erlaeuterte Father Ed. Kopf und Herz sollen angesprochen werden, um Freude am Glauben zu entwickeln. In Amerika findet an oeffentlichen Schulen kein Religionsunterricht statt. Er muss von den Gemeinden organisiert werden, und dabei kommt es auf Qualitaet an um bestehen zu koennen. Die Gemeinden erhalten vom Staat keinerlei finanzielle Unterstuetzung, so dass u.a. eine hohe Schuelerzahl ueber das Schulgeld und weitergehende finanzielle wie auch ideelle Unterstuetzung der Familien ein Fundament fuer eine lebensfaehige Gemeinde bewirkt. In St. Francis werden 1400 Kinder von 105 ehrenamtlich taetigen Katechetinnen und Katecheten unterrichtet. Wie ueberhaupt eine Vielzahl von Gemeindemitgliedern in den unterschiedlichsten Diensten engagiert ist. Dieses Engagement konnten wir am eigenen Leibe erfahren: Wir erlebten eine grossartige Gastfreundschaft in den Familien, bei denen wir uebernachten durften. Es stellte sich heraus, dass die sprachlichen Barrieren weitaus geringer waren, als wir vorher gedacht hatten, so dass sich z.T. sehr offene Gespraeche ueber “Gott und die Welt” ergaben, Gemeinsamkeiten und Unterschiede ausgetauscht und immer wieder auch herzhaft miteinander gelacht werden konnte.

Die Heilige Messe am Sonntagmorgen war einer der Hoehepunkte des Aufenthaltes: Liebe zum Detail kennzeichneten sowohl die moderne Architektur der Kirche wie auch die Liturgie, in der die Musik eine wichtige Rolle spielte. Der eine oder die andere vermisste ein wenig die von zuhause gewohnten Momente der Stille und die Gelegenheit zur Reflektion waehrend der Messe.

Die gesamte Gemeinde nahm freundlich Anteil an unserem Besuch. Ein exquisites Dinner wurde fuer unsere Gruppe ausgerichtet und Vertreter unterschiedlicher Gremien nahmen sich am Sonntagnachmittag Zeit zum Austausch. Dabei kamen wir auf die grundlegende Lebenshaltung zu sprechen, die dem Engagement der Menschen hier zugrunde liegt: Von Gott beschenkt zu sein und weiterschenken zu duerfen. Diese Haltung des “Stewardship” aeussert sich im Einbringen von “time, talent and treasure”, Zeit, Talenten und finanziellen Mitteln. Jede Gemeinde formuliert zusaetzlich fuer sich eine “mission”, einen jährlichen inhaltlichen Schwerpunkt, an dem sich auch die Verteilung des Budgets durch den Kirchenvorstand orientiert.

Viele Ansaetze fuer uns, ueber die wir nachdenken koennen….

Unser Bus brachte uns am fruehen Abend zurueck zum Cenacle-Center, wo wir auf die Rueckkehrer aus St. Benedict trafen und bei einem Glaeschen Wein lebhaft unsere Erlebnisse besprachen.

Fazit: Das Wochenende war ein unglaublicher Gewinn!

Zicke-zacke Heu-Heu-Heu

Fuer heute ging die Einladung von Rita Kattner aus und fuehrte uns nach St. Benedict noerdlich von Chicago-Downtown.St. Benedict ist ein Gebaeudekomplex mit wunderschoener Kirche (etwa so gross wie Herz Jesu bei uns) und angrenzender katholischer Schule, wobei alle Schulformen beruecksichtigt sind: Pre-school, elementary school, middle school und high school. Zuerst zeigten uns Rita Kattner und Ft. Beaven stolz St. Benedict-church und berichteten, dass die Fenster aus Muenchen und die Kreuzwegstationen aus Oberammergau stammen. Ausserdem verfuegt die Kirche ueber ein Taufbecken im Chorraum in dem Erwachsenen-Taufen stattfinden. Anschließend fuehrte uns der Weg zu den anderen fabrikaehnlichen Gebaeuden der Gemeinde, eine zweite Kirche (Altkirche), mit eingezogener Zwischendecke, dient heute als Sporthalle fuer die Vorschulkinder und Konzertraum (wir durften beim Basket-Balltraining der kleinen “Chicago-Bengals” zuschauen). Der ganze Gebaeudekomplex bildet ein Karree, welches auch eine Buecherei (Library) beinhaltet. Nach eingehender Besichtigung aller Gebaeudeteile erhielten wir einen Einblick in die Gemeindearbeit.
Nach gemeinsamem Mittagessen beim Mexikaner wurde die Gruppe aufgeteilt: 6 Personen blieben in St. Benedict und wurden bei der Familie von Rita Kattner untergebracht und sehr herzlich aufgenommen.
Ritas Familie lud uns am Abend zum Dinner ins “Chicago-Brauhaus” ein.
Was da “abging”, glaubt uns kein Mensch: ausgelassene Oktoberfeststimmung, deutsches Oktoberfestbier, deutsche Bedienung, deutsche Kueche. Wir wurden durch die Kueche geschleust, haben Berge von Schweinshaxen, Weisswuerschte, Leberkaese, Rotkohl, Sauerkraut und Kloesse gesehen. Es gab auch deutsche Musik: eine Band aus Meersburg am Bodensee spielte “In Muenchen steht ein Hofbraeuhaus,…”. Spaeter am Abend konnte man auch noch sein Jodeldiplom machen. Die ausgelassene Stimmung der Amerikaner haette uns fast angesteckt.
Irgendwann um Mitternacht fielen wir muede ins Bett.

Am Sonntag besuchten wir um 10:00h die hl. Messe in St. Benedict. Ein Chor von Kantoren hat sie musikalisch gestaltet; es gab Kinderkirche, zu der annaehernd 50 Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. In dieser Messe wurden der Gemeinde auch die Jugendlichen vorgestellt, die sich auf das Sakrament der Firmung vorbereiten. Zu diesemAnlass bekam jeder von seinem Firmpaten eine Plakette umgehaengt . Die Schueler empfangen die Firmung, bevor sie die Schule verlassen im Alter von 14 Jahren. Am Ende der Messe begruesste uns Ft. Beaven als “guests from Germany”. Wir mussten aufstehen und bekamen Applaus. Nach der Messe wurden wir von einigen Gottesdienstbesuchern auf deutsch angesprochen und herzlich willkommen geheissen.

Danach ging es zum Brunch zu Ritas Schwestern. Es gab alles, was unser Herz begehrte. Die Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit kannte keine Grenzen. Nachmittags um 3 p.m. besuchten wir in der Altkirche (Turnhalle-Gymnasium) ein Orchesterkonzert zu Halloween. Das Orchester besteht aus 70 Musikern, die aus der ganzen Nachbarschaft zusammenkommen. Jeder, der ein Instrument spielt, darf mitmachen. Alle Musiker ware verkleidet wie zu Karneval bei uns, auch der Dirigent. Es war ein schoener Abschluss fuer uns in St. Benedict. Ritas Neffe brachte uns zum Cenacle Center zurueck.

Was die andere Gruppe in Orland Park erlebte , folgt im Anschluss.

Old St Pats und Cloud Gate

Mit der El geht es nach dem Frühstück in die Gemeinde Old St Pats, eine der ältestens Gemeinden in Chicago. Die Gespräche um das Erlebte der letzten Tage haben jetzt viele Fragen aufgeworfen, von denen wir uns einige Anworten aus dem Gespräch mit Bob erhoffen ,der in Old St Pats hauptamtlich in der Glaubensvermittlung und Entwicklung der Gemeinde tätig ist. Wir lernen im Gespräch, daß es hilfreich sein kann, den eigenen Blickwinkel auf die Gemeinde zu verändern. Bob zeigt uns an einem einfachen Beispiel (“Wenn Menschen nicht in ein Restaurant kommen – wer muß sich dann die Fragen stellen? Der Restaurantbesitzer oder die Kunden?”), daß Offenheit und aktives Eingehen auf die Bedürfnisse anderer wichtig sind, um eine “einladende Gemeinde” zu sein.

Old St Pat hat sich aus einer Situation nahe der Gemeindeschließung (“4 members left – the priest, a man, the house keeper and his dog”) zu einer aktiven Gemeinde mit einer klaren Ausrichtung auf Erwachsene im Berufsleben gewandelt – und ist sehr erfolgreich und anziehend damit.

 

Interessant war, daß sich mittlerweile Muster zu zentralen Fragen und Aussagen finden lassen. Eine immer wiederkehrende Frage ist: Wie gestaltet sich die Nachfolge Jesus für jeden einzelnen? Was bedeutet dies für mich und wie kann es persönlich umgesetzt werden? Wie kann Gemeinde positiv erlebt werden, ohne ein beliebiges Angebot zu sein? In der amerikanischen Kirche mit einer viel höheren Anzahl von Alternativ-Angeboten sind die Antworten auf diese Fragen vital.

Am Nachmittag gab es dann die Möglichkeit, den Sears Tower zu besichtigen und auf die in der 103. Etage gelegenen Aussichtsplattform bei strahlendem Sonnenschein Chicago von oben zu sehen. Ein Erlebnis der besonderen Art war das Betreten der Glasbalkone, die den freien Blick auf die Strasse nach unten zulassen.

Eine Veränderunge der Perspektive brachte uns dann auch Cloud Gate, eine Edelstahlskulptur von Anish Kapoor, in der sich die Welt und die eigene Person in völlig neuen Perspektiven und Zusammenstellungen zeigt. Abends ging es dann für einen Teil der Gruppe zu einem Konzert des Chicago Symphony Orchestra, Haydn´s Schöpfung. Ein guter Ausklang des Tages.

 

Art and Impressions

Das heutige nasse Wetter lud zu einem ausgiebigen Besuch des Art Institut of Chicago ein. Das Art Institute ist eines der bedeutendsten Kunstmuseen der USA und präsentiert ausgewählte Objekte verschiedenster Sammlungen von der Antike bis zur Moderne und bietet einen eindrucksvollen Blick auf viele Originale bekannter Künstler und Meister wie die französischen Impressionisten Renoir, Monet, Manet, Gauguin, Cezanne u.v.m., Künstler der amerikanischen Moderne wie Edward Hopper, Mark Rothko, Jackson Pollock usw. und das Amerikabild von Marc Chagall (Glasfenster). Einem zweiten Verhör entkamen dabei mehrere Gruppenmitglieder, die unbedarfterweise einen Notausgang geöffnet hatten, nur dadurch, dass sie schnellstmöglich die Flucht ergriffen und ein unschuldiges Gesicht aufsetzten, nachdem der Alarm ausgelöst worden war. Nach diesem ereignisreichen Vormittag wartete unser “Starlight-Express”-Bus schon vor dem Museum, um uns zur evangelischen Mega-Church “Willow Creek” im Nord-Westen der Stadt zu bringen. Dort wurden wir von Mr. Schwammlein empfangen, der aus Deutschland stammt und uns auf spannende Art und Weise in seiner Muttersprache einen Einblick in die Struktur und Organisation der Willow-Creek-Church gab. Bei einem Rundgang erklärte sich uns der Begriff “Mega-Church” allerdings auch von ganz allein: in Räumlichkeiten in der Dimension eines Congress-Centers finden Gottesdienste mit bis zu 7500 Besuchern statt. 1200 Volunteers (ehrenamtliche Helfer) kümmern sich an den Wochenenden und in diversen Workshops um Menschen aller Altersgruppen, ihre Bedürfnisse und Probleme und betreuen sie spirituell und caritativ. Durch den sehr emotionalen Vortrag von Kyndra Singer, einer Verantwortlichen für die “Care Ministries”, erhielten wir einen tieferen Einblick in die Arbeit und das spirituelle Konzept von Willow Creek. Viele Fragen wurden aufgeworfen  und führten zu einer lebhaften Diskussion zwischen uns Teilnehmern auf der Rückfahrt nach Chicago Downtown. Abgerundet wurde der Tag durch einen von Rita Kattner organisierten Austausch mit Vertretern aus verschiedenen katholischen Gemeindegremien, die über die Strukturen ihrer Gemeindearbeit berichteten. Die Fülle der neuen Informationen und Eindrücke wird uns wahrscheinlich die ganze Nacht und darüber hinaus noch beschäftigen.

“We are proud”

Mittwoch, 26.10.2011

Schon beim Fruehstueck stiessen Peter Gilmour, mittlerweile pensionierter Professor an der Loyola University, und Rita Kattner zu uns. Wie sieht das Leben in katholischen Gemeinden in dieser Stadt aus? Wir machen uns auf eine Entdeckungsreise. 4 unterschiedliche Gemeinden werden besucht. Zuvor bekommen wir von Peter Gilmour einen Ueberblick ueber die Entwicklung der katholischen Kirche in Chicago. Eine relativ junge Kirche, in der um das Jahr 1900 herum ca. 70% der Katholiken “Migrationshintergrund” hatten, und gut die Haelfte kein Englisch sprach.
Wir konnten eindrucksvolle Gebaeude sehen. St. Alphonsus,

Taufbrunnen in St. Alphonsus

eine urspruenglich deutsche Gemeinde, St. Hyacinth, noch heute ein “Mekka” fuer polnische Katholiken, St. Dorothy’s, eine afro-amerikanische Gemeinde, und Holy Family, die aelteste Kirche in Chicago, urspruenglich fuer die irischen Katholiken gebaut.Alle waren “gut in Schuss” – es gibt offensichtlich genuegend Menschen, denen es wichtig ist, dass ihre Kirche ansprechend aussieht. Wir konnten Pastoere treffen, die dort gerne ihren Dienst tun und stolz auf “ihre” Kirche sind.
Besonders beeindruckt hat uns Father Miller. Er ist Pastor von St. Dorothy. Kein einfaches Pflaster. Gewalt, Kriminalitaet, Arbeitslosigkeit sind in seiner schwarzen Gemeinde an der Tagesordnung. Vor den Kirchtueren wurden in der Vergangenheit 2 Menschen ermordet. Er laesst sich nicht einschuechtern, versucht, mit seiner Gemeinde diesen Gegend etwas menschlicher zu machen. “Wir muessen flexibel sein”, sagte er. Sonst kommt man hier nicht zurecht. Die Menschen in der Gemeinde haben ihn gepraegt. “Wir muessen dem Wirken des Hl. Geistes trauen. Und nach dem Motto handeln: WWJD – what would Jesus do?”

St. Dorothy's

Und immer wieder war aus seinen Worten die Begeisterung zu hoeren, hier an diesem Ort mit diesen Menschen Gemeinde sein zu duerfen: We have fun!
A propos fun: Den hatten wir am Abend auch. Wir waren alle sechzehn zu einer Halloween Party bei der Familie von Rita Kattner eingeladen. Damit war das Haus voll, alle fanden Platz, die Stimmung war ausgezeichnet und zum Dank gaben wir einige Staendchen auf Deutsch und Englisch zum Besten.

God is in the detail

Angekommen – und zwar alle! An nur einem einzigen verwechselten Buchstaben waere unsere Einreise beinahe gescheitert. Um in die USA einzureisen, muessen viele Formulare ausgefuellt werden. Ein R statt eines Gs bei der Passnummer – und schon dachte der Beamte, wir wollten ihm ein X fuer ein U vormachen. Wenn man bei dem ersten Flug seines Lebens, isoliert von der Gruppe, von zwei Uniformierten abgefuehrt wird, ist es ein Segen, das Schulenglisch kurz vor der Reise aufgefrischt zu haben! Aus eigener Kraft konnte sich die Betroffene aus der misslichen Lage befreien und glaubwuerdig versichern, dass auch sie zur der “christlichen Reisegruppe” gehoerte. Die Aufregung war schnell vergessen, als wir – muede von der langen Reise – ausnehmend herzlich im Cenacle Center von Bob Raccuglia empfangen wurden. Auch Rita Kattner hatte sich Zeit genommen, um mit uns den Abend zu verbringen.

Dienstag, 25.10. : Der erste Chicago-Tag! Wolkenkratzer haben eine Geschichte – die Fuelle der Eindruecke koennen wir so schnell nicht verarbeiten. Wir haben zu Fuss und mit dem Bus erfahren, wie sich die Zeitgeschichte in der Architektur spiegelt. Haengengeblieben sind neben grossartigen Stadtansichten und kunsthistorischen Informationen durch unsere ehrenamtlichen Guides der Architecture Foundation besonders diese Saetze: “God is in the detail”, “Less is more”. Nach letzterem Leitsatz hat z.B. der deutschstaemmige Architekt Mies van der Rohe gebaut. Das Ergebnis sind nicht nur einfach hohe Haeuser, sondern wohldurchdachte Kunstwerke. Es gab manche Ueberraschung:  Eingangsbereiche sind liebevoll und kostbar im Detail gestaltet: Man will den Besucher anregen, dass er bleibt. Der Gedanke des “welcome” wird offenbar auch von den Menschen gelebt: Mehrfach wurden wir in Bus und Bahn freundlich angesprochen und nach unserem Woher und Wohin gefragt.

“Come kiss the sky” – Zum Abschluss des Tages folgten wir dieser Einladung am Fusse des Hancock-Towers. Der Blick auf die naechtlich erleuchtete Stadt von oben war ueberwaeltigend. Die eintretende meditative Stille sprach fuer sich: Jeder hing seinen Gedanken nach.

Wir sind gespannt auf die Details und Begegnungen der kommenden Tage!

Gemeinde Herz-Jesu Essen in Chicago

“Ihr müsst nach Chicago kommen!” So lud Rita Kattner Mitpilgerinnen und Mitpilger auf dem Weg nach Kevelaer ein. Rita Kattner gehörte einer Gruppe aus dem Erzbistum Chicago an, die im Sommer 2009 das Bistum Essen besuchte. Ganz schön mutig von Ihr, sich auf das Abenteuer “Fußwallfahrt nach Kevelaer” einzulassen. Aber da Sie einige Tage Gast bei Pastor Ludger Molitor war, blieb ihr (fast) nichts anderes übrig.
Eine Idee wurde auf dem Weg nach Kevelaer konkreter: “Wir fahren nach Chicago!”
Wie jede Idee hat auch diese eine Vorgeschichte. Im Herbst 2006 konnte Ludger Molitor, Pastor der Gemeinde, am Erfahrungsprogramm CrossingOver teilnehmen. In der Folgezeit wurde versucht, gute Ideen aus der Kirchen in den USA umzusetzen, wie z.B. den Begrüßungsdienst bei der Messe (Greeters), die Ausbildung und der Einsatz von ehrenamtlichen Kantorinnen und Kantoren. Das Interesse an der katholischen Kirche in den USA war geweckt.
Und so macht sich jetzt am Montag, den 24. Oktober eine Gruppe von 16 Frauen und Männern auf den Weg nach Chicago. Die Teilnehmenden bringen eigene Erfahrungen im Gemeinderat und Kirchenvorstand mit, engagieren sich beim Begrüßungsdienst oder beim Kantorenprojekt, unterrichten Kath. Religion, oder üben einen liturgischen Dienst aus. Alle haben eine Menge investiert, nicht nur den Teilnehmerbeitrag und Urlaubstage. Einige haben sogar noch einmal die Schulbank gedrückt und die alten Englischkenntnisse aufgefrischt.
Und nun geht es los! Wir sind gespannt und freuen uns auf Chicago und die Begegnung mit Menschen. Bereits bei der Vorbereitung konnten wir die Gastfreundschaft der CrossingOver-Freunde spüren. Wir fühlen uns willkommen!