It was time for africa !

Wir sitzen im Flugzeug auf dem Rückweg von Afrika nach Europa. Vierzehn Tage liegen hinter uns mit so vielen Erfahrungen, Eindrücken und Begegnungen in einer anderen Welt. Was nehmen wir mit zurück nach Deutschland?

Zuerst sei hier die Erinnerung an die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Menschen genannt, die uns begegnet sind. In den Projekten, die wir besucht haben, spürten wir, willkommen zu sein. Unsere Besuche waren von den Projektpartnern gut vorbereitet und  vermittelten uns viel von der Wirklichkeit ihrer Welt. Insbesondere aber die Freude und Herzlichkeit der Menschen waren immer zu spüren.

Wir nehmen aber auch die Erinnerung mit an die Erfahrungen, die uns besonders bewegten. Der Gestank des größten Müllbergs Nairobis ist noch in unseren Nasen. Die Bilder des Slumbesuchs in Nairobi haben wir noch konkret vor Augen. Und unsere Ohren hören immer noch die Schreie des Mädchens, dem die Genitalien verstümmelt werden. Manche Eindrücke können und wollen wir einfach nicht vergessen. Jede/r Einzelne von uns fragt sich, was er oder sie tun kann, um zu Veränderungen beizutragen…

In allen Projekten, die wir besucht haben, sind wir Menschen begegnet, die tatkräftig an Veränderungsprozessen arbeiten: Father John, der sich als Mann der Kirche mit politischem Bewusstsein für die Menschen in den Slums und auf der Müllhalde einsetzt. Schwester Ester, die ein Netzwerk mit über hundert Sozialarbeiterinnen aufgebaut hat, das sich um AIDS-Kranke kümmert, Francis, der als Arzt eine Organisation leitet, die sich gegen die weibliche Genitalverstümmelung engagiert, Father Frederic, der in der Erzdiözese Arusha ein Entwicklungsbüro der Kirche leitet, das eine Vielzahl von Hilfsprojekten koordiniert und viele andere mehr. All diese Menschen haben uns nicht nur gesagt, was sie und ihre Mitarbeiter tun, sondern sie sind darüber hinaus auch die Botschafter der Hoffnung, dass diese Welt veränderbar ist. Selbst Strukturen und politische Verhältnisse sind veränderbar, wenn sich Menschen dafür einsetzen. Wir alle können dazu beitragen. Als Christen sind wir besonders gefordert, denn im Gesicht jedes Armen und Notleidenden begegnet uns Gott. Und das weltweite Netzwerk, das die Kirche hat, bietet für Solidarität und Nächstenliebe hervorragende Voraussetzungen.

Mit nach Hause nehmen wir auch Bilder von einer traumhaften afrikanischen Landschaft: Von Savannen, bevölkert von tausenden wilder Tiere (wobei wir vier der sogenannten „Big Five“ mit eigenen Augen sahen: Büffel, Nashorn, Löwen und Elefant). Wir sahen fruchtbare Regionen, in denen Kaffee und Bananen wuchsen und bestaunten den schneebedeckten Kilimanjaro. Wir genossen ein angenehmes Klima mit viel Sonne…

Dankbar nehmen wir all diese Eindrücke und Erfahrungen mit, die unser Leben bereichern, aber für auch eine Verpflichtung darstellen. Wir waren Teil einer Gruppe haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter aus dem Bistum Essen, die das Glück hatten, an dieser Reise teilnehmen zu dürfen. Zurück in Deutschland werden wir unsere Eindrücke und Erfahrungen an andere weitergeben, sie mit anderen teilen und so dazu beitragen, dass die Menschen, die uns in Afrika begegnet sind, nicht vergessen werden.

Dank sagen möchte ich im Namen aller Mitreisenden ganz herzlich den Verantwortlichen von Misereor Barbara Küpper und Dr. Dieter Richarz, sowie Petra Schürmann vom Kindermissionswerk, ohne deren Kontakte und Engagement diese Reise nicht möglich gewesen wäre. Dank aber auch an missio Referent Heiner Ganser-Kerperin und Thomas Zander, die als Verantwortliche des Bistums Essen diese Lern- und Begegnungsreise mit den oben Genannten organisiert haben.

„It was time for Africa“ – können wir in Anlehnung an das Motto dieser Reise festhalten.

Geschrieben von Martin Fey, 5. November 2011

 

Der Wasser-Hahn von Kitete

Mit etwas Verspätung kommen wir in dem kleinen Dorf Kitete nordwestlich von Karatu an. Bereits um acht Uhr hatte uns das Team der Diözese Mbulu mit drei Geländewagen in unserem Quartier abgeholt. Zunächst wurde uns an einer Schule in Kansay gezeigt, wie das Regenwasser von den Dächern der Gebäude in einen neu gebauten Tank geleitet wird, so dass es nicht im Boden versickert. Wasser ist hier ein knappes und kostbares Gut, das vor allem für die Armen nicht immer und überall verfügbar ist. Weil die Regierung sich kaum um den Aufbau der Wasserversorgung kümmert, engagiert sich das Bistum Mbulu, indem Brunnen gebohrt  werden und Regenwasser „geerntet“ wird. Die Verantwortlichen wissen: sauberes Wasser ist eine erste Voraussetzung zur Verbesserung der Lebensbedingungen, für eine besser Gesundheit und Hygiene.

Nach der Besichtigung der Regenwasseranlage in Kansay ging es noch in den kleinen Ort Kilimamoja, in dem mit Hilfe des Bistums Frauengruppen aufgebaut wurden. Über diese Gruppen erhalten die Frauen unter anderem kleine Kredite, mit denen sie z.B. ein paar Ziegen oder Kühe anschaffen können. Mit der Milch verbessert sich die Ernährung der Kinder. Gleichzeitig können die Frauen den Überschuss verkaufen und der Familie so ein kleines zusätzliches Einkommen verschaffen, mit dessen Hilfe später der Umzug aus der einfachen Hütte mit Lehmwänden und Strohdach in ein gemauertes Haus möglich wird.

Nun aber sind wir nach einer weiten Fahrt über staubige und für normale Autos kaum passierbare Pisten in Kitete angekommen. Auch hier hat das Bistum mit Unterstützung von MISEREOR dafür gesorgt, dass es eine Zapfstelle für frisches Wasser gibt. Dafür wurde in einiger Entfernung vom Dorf ein Brunnen gebohrt. Von dort bringt eine Leitung das Wasser nach Kitete.

Ihre Dankbarkeit über diese Erleichterung des Lebens bringen die Menschen mit einem Empfang zum Ausdruck, der einem Staatsgast würdig wäre. Fast das ganze Dorf ist im Freien versammelt. Unter einer großen Schirmakazie – der afrikanischen Dorflinde – dürfen wir hinter einer Tischreihe auf Stühlen Platz nehmen, nachdem uns zur Begrüßung eine Blumenkette umgehängt wurde . Ein gemischter Chor der Secondary School, also Mädchen und Jungen zwischen 13 und 15 Jahren, singen ein selbst geschriebenes Lied. Es erzählt davon, wie mühsam es früher für die Frauen war, das Wasser aus großer Entfernung ins Dorf tragen zu müssen. Heute entfällt diese schwere und zeitraubende Arbeit, so dass die Frauen auch hier in der gewonnenen Zeit versuchen können, etwas zum Familieneinkommen beizutragen. Vor Ort kümmert sich ein Wasserkomitee um die Instandhaltung der Zapfstelle und den Verkauf des Wassers, für das die Familien, die durchschnittlich wenig als einen US Dollar pro Tag zur Verfügung haben, eine minimale Gebühr bezahlen müssen. Nach dem Chor reden die Vertreter der Dorfgemeinschaft und des Wasserkomitees. Sie berichten davon, wie sie gemeinsam mit den Sozialarbeitern und Wasserfachleuten des diözesanen Entwicklungsbüros die Wasserversorgung geplant und eingerichtet haben.

Immer wieder wird die Unterstützung durch MISEREOR erwähnt. Doch die Bewohner von Kitete wollen es nicht bei Worten belassen. Bevor wir zum Mittagessen eingeladen werden, bekommt jeder von uns ein Geschenk überreicht. Für die Frauen in unserer Gruppe  gibt es eine aus Holzperlen gearbeitete Kette. Einige Männer werden mit einem Tuch geschmückt, das die Massai tragen. Dann bekommen alle noch eine geschnitzte Giraffe oder Antilope überreicht. Als wir so reichlich beschenkt gerade überlegen, wie wir den Einwohnern von Kitete erklären sollen, dass wir zu ihnen nur stellvertretend für die vielen Menschen in Deutschland gekommen sind, die MISEREOR unterstützen und damit auch die Wasserprojekte im Bistum Mbulu ermöglichen, tritt eine ältere Frau nach vorne. In den Händen hält sie einen prachtvollen Hahn. Seine Beine sind zusammengebunden, so dass sich das Tier ganz ruhig verhält. Barbara Küpper, die Länderreferentin für Kenia und Tansania bei MISEREOR, bekommt dieses Ehrengeschenk nun unter dem Beifall des ganzen Dorfes überreicht. Für sie ist es nicht das erste Mal, und so nimmt sie dieses Zeichen höchster Dankbarkeit gekonnt entgegen, wie wir es mit einem großen Blumenstrauß oder einer guten Flaschen Wein tun würden, und wiegt den Gockel nun in ihren Armen.

Und wir alle, die nach Kenia und Tansania gekommen sind, um etwas über das Leben der Menschen und die Arbeit der kirchlichen Partner zu erfahren, werden demnächst, wenn wir in Deutschland wie selbstverständlich unter der Dusche stehen, wohl an den Hahn von Kitele denken und uns daran erinnern, dass ein Wasseranschluss im Haus, ja sogar im Dorf für viele Menschen in Afrika nicht mehr ist als Traum. Im Bistum Mbulu jedoch wächst die Zahl der Menschen, die Dank des Engagements des dortigen Entwicklungsbüros und der Unterstützung durch MISEREOR nicht mehr stundenlang laufen müssen, um Wasser zu holen.

Geschrieben von Volker Meißner – 4.11.2011

fairer Kaffee – Besuch bei der Kaffeekooperative KNCU in Moshi

Vogelgezwitscher, Vogelrufe gegen 6.15 Uhr lockten uns auf den Balkon des Lutherian Uhuru Guesthouse in Moshi.  Ein imposantes Bild bot sich uns: Vor uns saftiges Grasland von Termitenhügeln durchsetzt, im Hintergrund der Kilimanjaro in seiner ganzen Größe und Breite mit seiner Eishaube an  der Spitze, den Schnee- und Eisfeldern an den Flanken und den Waldflächen, die sich vom Fuß des Berges bis in eine bestimmte Höhe erstreckten, ein Bild, das zum  Verweilen einlud.

Doch unser heutiges Ziel war der Besuch der Kaffeekooperative KNCU , einer Partnerin der GEPA. Herr Massenha, der General  Manager, begrüßte uns sehr herzlich und servierte uns einen wohlschmeckenden Kaffee. Er gab uns wichtige Informationen über die Kilimanjaro Native Co-Operative Union.  Sie wurde 1929 gegründet und ist damit Afrikas älteste Kooperative. Ca. 7.500 Kleinbauern mit ihren Familien gehören ihr  als Mitglieder an. In den Höhen von 1000 – 2.500 m des Kilimanjaro-Gebirges bauen sie ihren Kaffee an, der im Schatten von Bananenstauden prächtig gedeiht. KNCU sammelt  die Kaffeebohnen aus 96 Dorfgemeinschaften ein, verarbeitet sie und verkauft als anerkannter Fair-Handelspartner 98 % der 5.250 t des Arabica Kaffees (mehr als 11 % der nationalen Produktion) als Fair-Trade-Kaffee-Rohware an  die Handelspartner in vielen Ländern, auch an die GEPA in Deutschland.

Ein Vertreter der KNCU , Mr. Amen, begleitete uns auf der Fahrt in die Bergwelt des Kilimanjaro. Über staubige Pisten  quälte sich unser Bus an Bananenstauden vorbei in die Kaffeeregion.  Dort wurden wir freundlich empfangen. Ein 97-jähriger  Kaffeebauer erzählte uns aus seinem langen Arbeitsleben, zeigte uns  seine Kaffeesträucher unter den Bananenstauden,  pflücket einige rote Kaffeekirschen und  nahm sie mit in seine Hütte. Dort wurde in einer Maschine das Fruchtfleisch von den Bohnen getrennt. Die Bohnen wurden dann zur Fermentierung zwei Tage ins Wasser gelegt, anschließend gewaschen und zum Trocknen auf großen Sieben ausgebreitet. Die getrockneten Bohnen wurden dann an die Kooperative verkauft. Dort wurden die Schalen von den Bohnen getrennt und dann die Bohnen als Fair-Trade-Rohware an die Handelspartner verkauft, die sie dann nach dem Geschmack der Kunden rösteten.

Die Bauern waren mit dem fairen Handel mehr als zufrieden, sicherte er ihnen doch ein geregeltes Einkommen, von dem sie leben konnten. Nun ging es wieder heim. Im Café der Kooperative tranken wir noch einen Kaffee, aßen eine Kleinigkeit und fuhren dann ins Hotel zurück.

Geschrieben von Willi Wölting, 2.11.2011

Die Schreie des kleinen Mädchens …

…, dem bei vollem Bewusstsein Genitalorgane amputiert werden, hallen immer noch in mir nach und hinterlassen mich entsetzt und sprachlos.

Ich, die ich glaubte über die „Beschneidung“ von Mädchen und Frauen in Afrika Bescheid zu wissen, sehe mich mit einer  Wirklichkeit konfrontiert, in der das Wort „Beschneidung“ verhöhnend ist in Anbetracht der Leiden des kleinen Mädchens.

Wir sind in einer Secundary School in der Nähe von Moshi, einer weiteren Station unserer Reise durch Tansania. Hierher begleitet haben uns Francis , der Leiter von NAFGEM („Network against Femail Genital Mutilation“) und zwei weitere Mitarbeiter. Wir betreten einen Klassenraum, in dem nur Jungen im Alter von ca. 15-18 Jahren sitzen. In dieser Phase der Aufklärung über Genitalverstümmelungen an Mädchen und  Frauen werden die Geschlechter getrennt, erklärt man uns. Auf dem Pult stehen ein Fernsehapparat und ein Videorekorder. Auf das, was dann kommt, sind wir – bin ich – nicht vorbereitet.

Wir sehen „live“ wie einem kleinen Mädchen die Brust tätowiert wird und anschließend wie einem anderen Mädchen Genitalorgane amputiert werden. Beide Mädchen schreien, winden sich, rufen nach der Mutter, nach Hilfe. Doch die Mutter ist eine von den Frauen, die sie festhält. Keiner kommt, um sie zu erlösen.

Ich sehe weg, viele von uns sehen weg, auch viele der Jungen sehen weg, doch die Schreie dringen zu mir durch, hallen in mir nach.

Hier ein Auszug aus dem NAFGEM Info:

Es gibt vier Typen der Genitalverstümmelung. Hier nur ein Auszug: Typ2: Beschneidung der Klitorisvorhaut, der Klitoris und teilweise oder komplette Entfernung der kleinen Schamlippen. Beim Typ 3 werden zusätzlich die Innenseiten der großen Schamlippen entfernt und beide Seiten der Vulva zusammengenäht. Es verbleibt lediglich eine kleine Öffnung für Urin und Menstruation. Der Eingriff ist extrem schmerzhaft und findet nie unter sterilen Bedingungen statt.

Ein Trost ist, dass es NAFGEM gibt, dass es so engagierte Streiter wie Francis gibt, dass die Verstümmelungen in der Region Kilimanjaro gesunken sind. Organisationen wie NAFGEM brauchen unsere Unterstützung.

Geschrieben von Ele Fey – 1.11.2011

Was ihr für einen meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Mit diesem Vers aus dem Matthäusevanglium endet heute unser geistlicher Abendimpuls in der Gruppe. Das passt zu diesem langen Tag.
Dieser Montag begann mit einer eindrucksvollen Vorstellung der unterschiedlichsten pastoralen Felder im Generalvikariat der Erzdiözese Arusha: Wasserversorgung, Lernprogramme, Armutslinderung, Ernährungssicherung, Programme für Frauen, Gesundheitsförderung,HIV-Programme, Zentrum für körperliche Behinderung, Solaranlagen für Arme, Gerechtigkeit und Frieden- dies waren nur einige Stichwörter, die uns an diesem Tag begleiten sollten.
Den Willen etwas verändern zu wollen, konnten wir dann in vier unterschiedlichen Gruppen erleben. In den großen Jeeps ging es quer durch das Bistum um die Praxisfelder vor Ort kennenzulernen.

Es war ein Tag voller Bilderbucheindrücke: die offen und freundlichen Menschen, die Landschaft Afrikas (einschließlich einem Blick auf den Kilimanjaro) und die Giraffen & Zebras in freier Wildbahn ließen viele von uns nun gänzlich in Afrika ankommen. 

Für Father Frederick, der uns hier in Arusha begleitet, heißt katholisch zu sein, bei den Menschen zu sein. Das konnten wir heute eindrucksvoll erleben.

Bei dem HIV-Projekt sagten die Menschen uns “I live in confidence” und wenn ich mir die Kinder im Kindergarten so anschaue, dann weiß ich, dass diese Kleinen einen guten Start ins Leben haben, der Perspektive hat. 

Diese Begegnungen machen mir Mut!

Heute schrieb Bernd Wolharn

 

 

Ich verstehe kein Wort Suaheli – oder doch?!

Sonntagsgottesdienst in Arusha. Das Evangelium mit der Kritik Jesu  an der Unglaubwürdigkeit der Schriftgelehrten und seinem Hinweis auf den Einsatz für das Reich Gottes in der Tat (Mt 23,1-12). Der Pfarrer predigt in Suaheli. „Schade“, denke ich, „heute gibt es für mich keine Anregungen durch eine Predigt.“
Schon nach kurzer Zeit schießen mir Gedanken durch den Kopf, die nichts mit der Predigt zu tun haben. Wer kennt das nicht bei einer unverständlichen Predigt?
Ich erinnere mich an den bewegenden Besuch bei einem Mann in Nairobi, der an AIDS erkrankt ist. In seiner kleinen Hütte, in der lediglich Platz für ein Bett ist, hat er uns empfangen und von seiner traurigen Lebensgeschichte erzählt. Doch trotz seines ausgemergelten Körpers sprachen aus seinen Augen und Worten Vertrauen und Glaubenskraft.

Ich denke an die vielen engagierten Frauen und Männer, denen wir in St. Francis begegnet sind. Als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter  der „Kleinen Christlichen Gemeinschaften“ besuchen sie dort kranke Menschen, um ihnen zu helfen.

Ich sehe auf den Chor hier in der Kirche. Er hat in diesem Gottesdienst bereits so mitreißend und begeisternd gesungen, dass wir alle die Frohe Botschaft ganz neu erleben konnten.

Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Die Predigt ist beendet. Irgendwie beschleicht mich ein schlechtes Gewissen: „Du warst gar nicht bei der Sache“, denke ich.
Obwohl?! Waren nicht all die Erfahrungen der letzten Tage bereits eine Auslegung des heutigen Evangeliums? Haben mir nicht genau diese Menschen, an die ich gerade gedacht habe, schon eine Predigt gehalten? Haben sie mir nicht schon gezeigt, wie das Evangelium dieses Sonntags in überzeugenden Worten und gelebten Taten lebendig wird?
Die Menschen hier sprechen Suaheli. Ich spreche diese Sprache nicht. Trotzdem ist an diesem Sonntag durch sie die Botschaft Jesu bei mir angekommen.

Geschrieben von Stefan Ottersbach.

von grünen und braunen Landschaften

Mit dem heutigen Tag endet unsere Zeit in Nairobi, mit vielen Begegnungen und eindrücklichen Erfahrungen. Der morgentliche Regen taucht die Stadt in eine graue, fast trübe Atmosphäre, die Erde in ein sattes Rotbraun. Die Pflanzen leuchten in sattem Grün.
Auf dem Weg aus der Stadt bis zur Grenze fahren wir durch eine weite Landschaft, die der Regen der letzten Wochen, der Beginn der kleinen Regenzeit fruchtbar erscheinen läßt. 

Je weiter uns der Weg nach Tansania führt, desto mehr erleben wir, was es bedeutet, wenn der Regen ausbleibt. Zu Beginn sind nur die Gräser und kleinen Sträucher nicht mehr grün, je weiter wir fahren, desto brauner und trostloser wird die Landschaft. In Tansania fahren wir durch das Siedlungsgebiet der Massai. Die Massai leben hauptsächlich von der Viehzucht. Immer wieder sehen wir von der Straße aus, wie Massai Kinder am Straßenrand stehen und darauf achten, dass die Herde nicht auf die Straße gerät.

In Tansania hat es im letzten Jahr kaum geregnet und auch bis jetzt ist kaum Regen gefallen. Einige wenige Tropfen gab es in der letzten Woche – wenn man den Unterschied in so kurzer Entfernung ansieht, versteht man, wie wichtig Regen ist. Die größeren Bäume mit den tiefen Wurzeln beginnen grün zu werden.
In den nächsten Tagen werden wir besser verstehen, wie die Menschen hier in Tansania auch auf dem Land leben. Was wir schon eindrücklich gesehen haben, ist wie wichtig Regen ist.

geschrieben von Heiner Ganser-Kerperin

 

 

 

Simba-Alarm

Um viertel von neun sehen wir unseren ersten Löwen! Wir sind bereits seit zwei Stunden im Nairobi National Park unterwegs. Auch heute sind George und John unsere Fahrer. Die Dächer der Matatus (so heißen in Kenia die Kleinbusse, die auch als Sammeltaxen die Straßen bevölkern) sind hochgestellt. Wir stehen in den Wagen und halten Ausschau nach Gazellen, Antilopen und Straußen. Am Rand der offenen Dachluke muss man sich gut festhalten, denn die Piste ist auch hier alles andere als eben.

Der Nationalpark grenzt direkt an die Stadt. Es ist kaum zu glauben, dass hier so viele Wildtiere zu sehen sind. Doch immer wieder tauchen neue Gruppen von Büffeln, Giraffen und  Zebras auf. Die Kameras laufen heiß und die Begeisterung steigt. Diese Tiere, ihre eleganten und kraftvollen Bewegungen in der Natur zu erleben, ist doch etwas anderes, als ein Besuch im Duisburger Zoo. George hat per Funk Kontakt zu anderen Fahrern. Plötzlich heißt es: Simba! Löwe! Sofort verlassen wir die Monkey Picnic Area, wo wir eine Pause einlegen wollten und fahren zu der Stelle, wo die Löwen gesichtet wurde. Tatsächlich bekommen wir sie auch noch zu Gesicht, wenn auch hinter Sträuchern. Später sollen wir noch zwei mal auf Löwen treffen. Wir sind begeistern und merken kaum, wie die Zeit vergeht, so sehr fasziniert uns die Tierwelt Afrikas.

Als wir die Tour beenden, kommt am Horizont wieder die Skyline von Nairobi in Sicht. Viele Touristen werden neben den Bildern aus den Nationalparks den Eindruck einer afrikanischen Großstadt mitnehmen, in der Hochhäuser und große Reklametafeln signalisierenm, dass sich hier ein Wirtschaftszentrum im Aufbau befindet, in dem der Wohlstand wächst. Wir müssen beim Blick auf die Stadt jedoch unwillkürlich an unsere Begegnungen in den Slums denken, die sich zwischen den Hochhäusern und hinter den überdimensionalen Plakatwänden versteckenr  Morgen werden wir Nairobi Richtung Tansania verlassen. Wir nehmen nicht nur  die Bilder der Tiere und der Landschaft aus dem Nationalpark mit. Uns stehen auch die Gesichter der Aidskranken, der Straßenkinder und der Menschen auf der Müllhalde vor Augen. Afrika hat uns seine schönen und seine Schattenseiten gezeigt.

heute geschrieben von Volker Meißner

Afrika – Kontinent der Gegensätze

Kurz nach 6 Uhr zog ein starkes Gewitter über unsere Unterkunft – mein erster Gedanke: wie gut, dass wir in einem soliden Haus übernachten können. Wie mag es wohl den Menschen in den Slums ergehen ?

Heute steht der Besuch der Kleinen Schwestern des Franziskanerordens an, die ein kleines Hospital am Rande von drei Slumgebieten unterhalten – ein Projekt, das von den Sternsingern unterstüzt wird. Schwester Esther (29) eine fröhlich – lebendige, nigerianische Krankenschwester stellte uns das vielfältige Engagement der Gemeinschaft vor.

Im Krankenhaus werden schwerpunktmäßig Aidskranke behandelt. Über 600 Familien werden von den Ordensschwestern und weiteren Mitarbeitern umfassend seelsorgerisch und medizinisch betreut – das reicht von der AIDS – Vorbeugung über die Behandlung der Kranken bis zur Begleitung bis zum unausweichlichen Ende.
Was das konkret bedeutet, haben wir direkt vor Ort erfahren dürfen. In vier Kleingruppen haben wir die “Klienten” des Hospitals in ihren Slumhütten besucht und ihre oft verzweifelte Situation hautnah erlebt, u.a.eine verlassene aidskranke Mutter mit vier Kindern und einen von der unheilbaren Krankheit ausgemergelten Mann. Beim Abschied in die Augen des todgeweihten Mannes zu blicken und die dürre, kraftlose Hand zu drücken hinterlässt bei uns einen unvergesslichen Eindruck.

Keine Stunde später werden wir von den Schwestern und den Mitarbeiterinnen in traditionellen bunten Kleidern zum gemeinsamen afrikanischen Festmahl tänzerrisch eingeladen. Wir sitzen am langen Tisch vor den heiteren Menschen, die sich tagtäglich liebevoll um  diese kranken Menschen kümmern. Vielleicht ist es genau diese Lebensfreude, die diese Menschen auch in schwierigsten Umständen nicht verzweifeln lässt.

Rolf Preiss-Kirtz

 

How are you?

Unterwegs nach Korogocho, einem der großen Slums von Nairobi,  teilen wir uns die vierspurige Straße mit einer Frau mit vier Ziegen. Uns stockt der Atem, denn auf der autobahnartigen Straße sind wir als Geisterfahrer unterwegs, weil wir es nicht auf die richtige Fahrspur geschafft haben. Der Weg führt uns in der Rushhour vorbei an Blechhütten und Märkten, die Türen des Busses müssen verriegelt und die Fenster geschlossen werden.

Unser Besuch gilt Father John und seiner Gemeinde in den Slums von Dandora, Korogocho und Kariobangi. In seiner Gemeinde leben 63.000 Katholiken, es gibt 20 kleine christliche Gemeinschaften, die jeweils aus 20-25 Familien bestehen. Sie übernehmen Verantwortung für das Gemeinschaftsleben in den Slums. Als erstes sind wir zu Gast bei einer Versammlung von Peacekeepern, die in ihren Wohngebieten das Zusammenleben von Menschen verschiedener Stämme beobachten und gewalttätige Ausschreitungen wie nach den letzten Präsidentschaftswahlen verhindern sollen. Es ist beeindruckend zu sehen, dass Menschen, die kaum das Nötigste zum Leben haben, mit großer Ernsthaftigkeit und viel Engagement für Frieden in ihrer Nachbarschaft sorgen.

Ehemalige kriminelle Jugendliche, die durch ein Projekt von Father John ein Zuhause in der Gemeinde gefunden haben, führen uns durch ihr Slum. An jeder Ecke rufen uns vor allem Kinder zu: “How are you?” Wahrscheinlich die einzigen englischen Worte die Kinder sagen können und mit Weißen in Verbindung bringen. Hände werden geschüttelt und unsere Arme gestreichelt.

Weiter geht es zu Fuß auf die größte Müllkippe Kenias. Ca. 6000 Menschen arbeiten hier. Sie durchwühlen den Müll der Großstadt nach recyclebaren Materialien und auch nach Essbarem. Für diese Menschen setzt sich Father John auch politisch ein, durch eine Verlagerung der Müllkippe würden sie Arbeit und Existensgrundlage verlieren. Für uns ist dieses Leben unvorstellbar. Die Frage “How are you?” bleibt für uns mit diesen Menschen verbunden, die trotz ihrer Lebensumstände selbst auf diese Frage mit einem Lächeln und dem Wort “Fine!” antworten konnten.

Heute schrieben Holger Breuer und Martin Zensen.